Aufsatz 
Jose-Maria de Hérédia
Entstehung
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von kurzer Dauer sein: am 3. Mai starb Fräulein Emma Mayer, am 31. Mai Fräulein Anna Schneider, beide nach vorausgegangenem schweren Leiden, von dem man ihnen schliesslich nur baldigste Erlösung wünschen musste. Das Andenken der Dahingeschiedenen wird bei uns unvergessen bleiben; um es auch äusserlich zu ehren, liess das Kollegium am Grabe beider einen Kranz niederlegen. Die Stelle von Fräulein Schneider hatte bis zum Schlusse des Sommerhalbjahrs die bereits im vorangegangenen Winter- semester als Ersatz für sie eingetretene Schulgehilfin Fräulein Magdalene Keller versehen.

Am 9. Mai fand der übliche Schulausflug statt. Das Seminar, die Selekta sowie die beiden ersten Schulklassen(1 ab) fuhren mit der Bahn nach Homburg, um von hier aus die Saalburg zu besuchen; 2 ab und 3 ab hatten sich Seeheim in der Bergstrasse als Reiseziel gewählt; die übrigen Klassen begnügten sich auch diesmal wieder mit einem halbtägigen Spaziergange in die nähere Umgebung ihrer Heimat.

Die Wiederimpfung der 1894 geborenen Schülerinnen erfolgte am 22. Juni, acht Tage später fand die amtliche Nachschau statt.

Am 5. und 6. Juli hatten wir die Ehre, Herrn Geheimerat Dr. Eisenhuth in unsrer Mitte zu sehen; in einer Anzahl von Schulklassen sowie in allen Klassen des Seminars wohnte er längere Zeit dem Unterrichte bei.

Zu Beginn des Winterhalbjahrs wurde die durch den Tod von Fräulein Schneider erledigte Stelle Herin Ludwig Keller, bisher Lehrer an der Höheren Bürgerschule zu Pfungstadt, endgültig übertragen.

Ludwig Keller, geboren zu Steinbach im Kreise Erbach am 12. Januar 1868, besuchte zunächst die Volksschule seines Heimatortes, dann von 1877 1883 die Grossherzogliche Realschule zu Michelstadt und von 1884 1887 das Lehrer-Seminar zu Friedberg. Die Definitorialprüfung bestand er im Frühjahr 1889. Von Ostern 1887 an fand er nacheinander in verschiedenen Gemeinden des Grossherzogtums dienstliche Verwendung. bis er im April 1904 mit der Verwaltung einer Lehrerstelle an der Höheren Bürgerschule zu Pfungstadt betraut wurde. Fest übertragen wurde ihm diese im Dezember 1896. In den Jahren 1880, 1890 und 1891 genügte er im I. Gross- herzoglich Hessischen Infanterie-(Leibgarde-)Regiment No. 115 zu Darmstadt seiner Militärpflicht. Durch Höchstes Dekret vom 18. Juli 1906 wurde er als ordentlicher Lehrer an unserer Schule angestellt.

Am 17. September, dem Allerhöchsten Geburtsfeste Ihrer Königlichen Hoheit der Grossherzogin, fiel der Unterricht aus.

Von Sr. Majestät dem Kaiser und König von Preussen wurde dem Hauptmann der Landwehr, Herrn Professor Dr. Ledroit, am 25. September die Landwehr-Dienstauszeichnung erster Klasse verliehen.

Aus Anlass der Geburt unseres Erbgrossherzogs wurde der Unterricht am 8. November alsbald nach Bekanntwerden des für unser Land so bedeutungsvollen Ereignisses ausgesetzt.

Der Allerhöchste Geburtstag unseres Landesfürsten wurde diesmal mit Rücksicht auf das zeitlich mit ihm zusammenfallende Totenfest bereits am 24. November(Verfügung vom 1. Oktober 1906) gefeiert. In seiner Festrede führte Herr Oberlehrer Dr. Wimmenauer den Gedanken aus, dass nicht ein einheitlicher Stammcharakter, sondern nur die gemeinsame Liebe zum Herrscherhause uns als Hessen verbinde. Die vorgetragenen Gedichte und Gesänge waren ebenso wie auch im Brecherhause, wo Herr Rektor Heess sich den Grossherzog Ludwig l. zum Gegenstande seiner Rede gewählt hatte, der Bedeutung des Tages ent- sprechend ausgewählt. Die Herren Oberbürgermeister Dr. Göttelmann und Stadtverordneter N. Reis be- ehrten die Schulfeier mit ihrer Anwesenheit.

Am 26. November statteten die Schülerinnen des Lehrerinnen-Seminars unter Leitung des Unter- zeichneten sowie der Herren Professor Dr. Ledroit und Oberlehrer Dr. Waas dem vorübergehend hier aus- gestellten Tuberculose-Museum einen Besuch ab. Herr Medizinalrat Dr. Balser hatte die Liebenswürdigkeit, in beinahe zweistündigem Vortrage die Erschienenen mit den einzelnen Ausstellungsgegenständen bekannt zu machen und im Zusammenhange damit eine Anzahl volkswirtschaftlicher Fragen zu besprechen, für deren Behandlung das Museum treffliche Anknüpfungspunkte bot. Dem geehrten Herrn sei auch an dieser Stelle unser aufrichtigster Dank für seine Bemühung ausgesprochen.

Die Schulfeier zu Ehren des Allerhöchsten Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers fand bereits am Morgen des 26. Januar statt. Nach einem einleitenden Gesange und einer kurzen Ansprache des Herrn