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noch immer nicht wieder genesene Schulverwalterin Fräulein Emma Mayer trat Fräulein Karoline Arens neu in das Kollegium ein. Wir teilen zunächst das Wichtigste aus dem Lebenslaufe der genannten Lehrkräfte mit.
Dr. Friedrich Lehnert, geboren am 28. Mai 1873 zu Weissenburg in Bayern, bestand im Juli 1892 am humanistischen Gymnasium zu Eichstädt die Reifeprüfung und widmete sich alsdann an den Universitäten zu Würzburg und München dem Studium der neueren Sprachen. Im Oktober 1895 unterzog er sich der Staats- prüfung in der romanischen, drei Jahre später der in der englischen Philologie und nach weiteren zwei Jahren(1900) der wissenschaftlichen Staatsprüfung. Einen Teil des Winterhalbjahres 1897/98 verbrachte er Stu- dien halber in England; 1898— 1900 war er als Hauslehrer in Tunis beschäftigt. Nachdem er dann an mehreren bayerischen Realschulen vorübergehend als Assistent tätig war, nahm er im Oktober 1902 eine Oberlehrerstelle an der Pfeifferschen Privatrealschule zu Jena an, in welcher Stellung er bis zum 1. April 1906 verblieb. Bereits im Jahre 1902 war ihm von der philosophischen Fakultät zu Würzburg auf Grund einer wissenschaftlichen Arbeit aus dem Gebiete der romanischen Philologie die Doktorwürde verliehen worden. Seine Berufung an die Höhere Mädchenschule und das Lehrerinnen-Seminar zu Mainz erfolgte durch Allerhöchstes Dekret vom 6. Januar 1906.
Hedwig Klein, geboren am 21. März 1874 zu Büdingen, besuchte nach Versetzung ihres Vaters nach Mainz zunächst das Iostitut von Fräulein Gülcher und dann, von 1889— 1894, die damals neu errichtete Höhere Mädchenschule, worauf sie sich vorübergehend an hiesiger Kunstgewerbeschule an dem Malkurs für Damen be- teiligte. Vom Frühjahr 1901 bis Herbst 1905 weilte sie, um sich als Malerin auszubilden, in München, wo sie auch schon im Juni 1904 die Prüfung als Zeichenlehrerin an der Königlichen Kunstgewerbeschule ablegte. Nach Mainz zurückgekehrt, übernahm sie vom 1. Oktober 1905 bis zum 1. April 1906 die Vertretung der beurlaubten Zeichenlehrerin an der hiesigen Höheren Mädchenschule, welche Stelle ihr(durch Verfügung Grossherzoglichen Mi- nisteriums vom 20. April 1906) vom Beginn des neuen Schuljahres an provisorisch übertragen wurde.
Karoline Arens, geboren am 15. Dezember 1883 zu Cöln a. Rh., empfing den ersten Unterricht in ihrer Vaterstadt, wurde dann aber vom jJahre 1897 an in der Höheren Mädchenschule und späterhin in dem mit ihr ver- bundenen Lehrerinnen-Seminar zu Mainz so weit vorgebildet, dass sie am 21. Februar 1903 die Prüfung der An- wärterinnen für das Lehramt an Höheren Mädchenschulen bestand. Nach einjähriger Tätigkeit an der Volksschule zu Worms begab sie sich im Herbste 1904 nach Paris, wo sie zunächst ein Jahr lang in einer französischen Familie als Erzieherin weilte, dann aber zu ihrer Weiterbildung in französischer Geschichte und Literaturgeschichte an der Sorbonne Vorlesungen besuchte, bis sie am 27. März 1906 mit der Verwaltung einer Lehrerinnenstelle an der hie- sigen Höheren Mädchenschule betraut wurde.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 31. März wurde Herr Lehramtsassessor Dr. Wimmenauer zum Oberlehrer an unsrer Anstalt ernannt.— Am 26. Mai erfolgte die feste Anstellung der Schulverwalterinnen Fräulein Ida Kempf und Fräulein Johanna Sichel an unsrer Schule.
Der katholische Religionslehrer Dr. Rainfurt wurde zu Beginn des neuen Schuljahres als Ober- lehrer an das Grossherzogliche Gymnasium zu Bensheim versetzt. Den einen Teil seines Unterrichts über- nahm Herr Dompräbendat Hellmeister, den wir schon während seiner früheren Wirksamkeit an unsrer Schule(1895— 1900) als tüchtigen Lehrer und liebenswürdigen Kollegen kennen zu lernen Gelegenheit hatten(vergl. Jahresbericht von 1894/95 S. 4); mit dem anderen Teile der Stunden wurde Herr Kaplan Becker betraut.
Georg Becker, geboren zu Zornheim am 28. Dezember 1880, gehörte nach mehrjährigem Besuche der Volksschule seines Heimatortes von Herbst 1892— 1900 dem hiesigen Gymnasium als Schüler an und widmete sich dann in dem Mainzer Priesterseminar dem Studium der Theologie. Im August 1904 zum Priester geweiht, fand er bald darauf als Kaplan in Lämmerspiel bei Offenbach Anstellung. Am 1. Mai 1905 wurde er nach Mainz versetzt, wo er z. Z. als Kaplan von St. Peter tätig ist. Seine Verwendung an der Höheren Mädchenschule erfolgte auf Grund ministerieller Verfügung vom 22. Mai 1906.
Im Mai entriss der Tod unserm Kollegium zwei seiner Mitglieder, welche bis 1903 im Dienste des ehemaligen Brecherschen Instituts tätig gewesen: die Schulverwalterinnen Fräulein Emma Mayer und Fräulein Anna Schneider. Während ihrer langjährigen Wirksamkeit an genannter Privatschule hatten beide sich die Liebe ihrer Schülerinnen in hohem Grade zu erwerben verstanden; nach Verschmelzung des In- stituts mit der Höheren Mädchenschule waren dann beide mit grosser Pflichttreue bemüht, sich in die ihnen zunächst ungewohnten Verhältnisse hineinzufinden. Allein ihre Tätigkeit im neuen Wirkungskreise sollte


