Aufsatz 
Zur Berechnung der barometrischen Höhenformel / Bender
Entstehung
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In ſeinen weiteren Ausführungen weiſ't Bauernfeind nach, daß die Ergebniſſe ſeiner Formeln und Tafeln mit den Beſſel'ſchen Formeln und Tafeln zur Genüge überein⸗ ſtimmen, ſowie daß ſeine Berechnungen ſchneller zum Ziele führen. Weiter unterwirft derſelbe den Einfluß der Beobachtungsfehler und der Wärmeſtrahlung des Bodens auf die Incongruenzen der Reſultate einer ſehr gründlichen Unterſuchung.

Seine ſorgfältigen Beobachtungen und Studien über die räumlichen Tem⸗ peraturveränderungen der Atmoſphäre, die neuen Geſetze, welche er in dieſer Beziehung aufſtellt, insbeſondere ſeine Unterſuchungen über die Temperaturabnahme mit ſteigender Höhe und zunehmender Breite werden dereinſt als eine Bereicherung der Wiſſenſchaft ihre Anerkennung finden.

Genauer darauf einzugehen, geſtattet der Raum nicht; wir begnügen uns daher Bauernfeinds Endreſultate ſeiner ſehr verdienſtlichen Arbeiten, wie ſie auf S. 142 der Abhandlung zuſammengeſtellt ſind, ſoweit ſie unſern Gegenſtand betreffen, hier zum Schluſſe folgen zu laſſen.

1) Die großen Differenzen zwiſchen barometriſchen und trigonometriſchen Höhen⸗ meſſungen, welche nicht ſelten beobachtet worden ſind rühren, abgeſehen von groben Beobachtungsfehlern, hauptſächlich von dem großen Horizontalabſtande der Stationen, dem Unterſchiede in der Beobachtungszeit, der zu geringen Zahl von Beobachtungen und der Nichtberückſichtigung der Wärmeſtrahlung des Bodens her; werden alſo an hori⸗ zontal nicht über zehn Bogenminuten entfernten Stationen mehrere gleichzeitige Beob⸗ achtungen gemacht und die Lufttemperaturen entſprechend verbeſſert, ſo verſchwinden alle große Differenzen, und es ſind die barometriſchen Höhenmeſſungen für die meiſten Zwecke ſehr wohl brauchbar.

2) Die Genauigkeit der unter den eben ausgeſprochenen Bedingungen angeſtellten barometriſchen Höhenmeſſungen nimmt in dem Maße ab, als die Fehler der Barometer⸗ ſtände und der Luft⸗ und Queckſilber⸗Temperaturen wachſen oder die Höhenunterſchiede beider Stationen kleiner werden, und es läßt ſich dieſelbe in jedem Falle berechnen*). Vier oder fünf gleichzeitige Meſſungen bei guter Witterung, gegen 10 Uhr Vormittags oder 4 Uhr Nachmittags in Zwiſchenräumen von etwa 20 Minuten angeſtellt, werden den Fehler des arithmetiſchen Mittels bei 500 Höhenunterſchied auf etwa 2 und bei 1000" Höhenunterſchied auf etwa 30 einſchränken.

3) Die in zwei übereinander liegenden Beobachtungsſtationen aufgehängten Ther⸗ mometer geben nur die Temperaturen an, welche die auf der Erdoberfläche unmittelbar ruhende Luftſchichte an dieſen Stellen hat; dieſe Temperaturen ſind aber von denen, welche der freien Atmoſphäre in gleichen Höhen zukommen, um den Einfluß der Wärme⸗ ſtrahlung des Bodens verſchieden.

4) Dieſem Einfluſſe iſt es zuzuſchreiben daß barometriſche Höhenmeſſungen am Morgen und am Abend zu klein, zwiſchen 10 und 4 Uhr zu groß, gegen 10 und 4 Uhr aber nahezu richtige Werthe für die geſuchten Höhenunterſchiede liefern, indem vor 10 und nach 4 Uhr die Angaben der Thermometer zu niedrig, zwiſchen 10 und 4 Uhr zu hoch, gegen 10 und 4 Uhr aber nahezu fehlerfrei ſind.

5) Der Einfluß der Wärmeſtrahlung des Bodens auf die Thermometer der Baro⸗ meterſtationen läßt ſich für jede beliebige Tagesſtunde aus einem mathematiſchen Aus⸗ drucke**) berechnen, deſſen Conſtanten nicht einfacher und ſicherer beſtimmt werden

*) Vergleiche Bauernfeind, S. 81 Gleichung N. 24. *) Ebenſo S. 63, Gleichung 12.