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als ſeelenloſe Mumien aus andern Sprachen in ſie hineingeſchleppt ſind. Ich darf nur auf die franzoͤſiſche und engliſche Sprache hinweiſen, in ihnen finden ſich ſehr viele ſolcher Ausdruͤcke, die, abgeriſſen von ihrem Stamme wie verdorrte Aeſte da ſtehen, ohne alle innere, lebendige Beziehung. So findet ſich, um nur einige Beiſpiele anzufuͤhren, im Engliſchen das Wort mortal aber nicht der Stamm mors, wofuͤr death gebraucht wird; lunar, aber nicht luna, wofuͤr moon; im Fran⸗ zoͤſiſchen caduc, aber nicht cadere, docile, aber nicht docere.
Was ferner die Stammſprachen noch beſonders vor den abgeleiteten voraus haben, iſt der große Reichthum an Worten, welche, ſei es durch Nachahmung des Lautes, ſei es durch das Verhaͤltniß der Sylben, den zu bezeichnenden Gegenſtand maleriſcher ausdruͤcken.
Zu den Stammſprachen gehoͤrt unſere Mutterſprache, die Deutſche; ſie hat alſo auch alle Vorzuͤge, welche jene haben. Unter allen modernen Sprachen Eu⸗ ropas hat keine weniger todte Worte, als ſie; ihre Ausdruͤcke ſind voll warmen Lebens, voll maleriſcher Bedeutung und Beziehung, weßhalb ſie ſich beſonders durch Klarheit des Begriffes, durch Innigkeit und Tiefe der Empfindung, durch ſchnelle Wirkung auf Verſtand und Gefuͤhl auszeichnet. In Betreff der nachahm⸗ enden Ausdruͤcke wird ſie zwar von der griechiſchen Sprache, die an Fuͤlle, Kraft und Schoͤnheit vielleicht unerreicht da ſteht, uͤbertroffen; jedoch hat auch ſie eine große Menge ſolcher Worte. Nur Einige moͤgen beiſpielshalber hier ſtehen: Blitz, Donner, Gepolter; hell, dunkel, raſch; zittern, lispeln, rauſchen, rollen u. v. a. Wer erinnert ſich nicht an die ſchoͤne Stelle bei Homer Odyss. XI. 598 und an die Ueberſetzung von Voß, der dort, wie ungeſchickt er auch ſonſt die Ueberſez— zungskunſt gehandhabt, das Gepolter gut nachgeahmt hat? Oder an die ſchoͤne Stelle in Goͤthe's Fauſt, wo der Erdgeiſt als Inbegriff aller Lebensthaͤtigkeit in der Natur, ſein Wirken und Weſen in folgenden Worten bezeichnend ausdruͤckt:
In Lebensfluthen, in Thatenſturm Wall ich auf und ab, Wehe hin und her; Geburt und Grab, Ein ewiges Meer, Ein wechſelnd Weben, Ein gluͤhend Leben, So ſchaff ich am ſauſenden Webſtuhl der Zeit, Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid. In folgender Stelle ſucht der Dichter das erhabene Schauſpiel der auf⸗ ſteigenden Sonne akuſtiſch auszudruͤcken: Die Sonne toͤnt nach alter Weiſe In Bruderſphaͤren Wettgeſang, Und ihre vorgeſchriebene Reiſe Vollendet ſie mit Donnergang.


