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jenem nicht an Guaden und Titeln fehlen. Denn das müssen ihm selbst seine Feinde lassen, er weiss anders zu belohnen, als der Kaiser,„er ist kein Knauser wie der Ferdinand“.
„Zu Max sagt er:„Ich bin dein Kaiser, dein Stern, auf dem du lebst“— und Buttler ist nur eine niedere Kreatur. Wie verächtlich behandelt er Illo und Terzky. Als sie nach Sesins Ge- fangennahme von den Dokumenten sprechen, die unwiderleglich gegen sie zeugen, sagt Walleustein zu Terzky:„Von meiner Handschrift nichts. Dich straf ich Lügen“!
Dass er aber keine Mittel scheut, um die Führer an sich zu fesseln und dass es ihm auch auf eine Fälschung nicht ankommt, um seinen Zweck zu erreichen, das bekundet sein Auftrag an IIlo in Bezug auf die Unterschrift der Generale:
„Schaff mir ihre Handschrift, Wie du dazu gelangen magst, ist deine Sache“.
Den IIlo kennt er, und die Fälschung kommt auf Wallensteins Rechnung. Und diese Hand- schriften benutzt er gleich darauf Wrangel gegenüber. Die Schweden hasst er wie den Pfuhl der Hölle, aber zu Wrangel sagt er, seine Hand vertraulich fassend:
„Aufrichtig, Oberst Wrangel, ich war stets Im Herzen auch gut schwedisch. Ei, das habt ihr In Schlesien erfahren und bei Nürnberg“.
Aber der Schwede traut ihm nicht.
Oktavio übertreibt nicht Max gegenüber, wenn er sagt: „Von den Ränken, Den Lügenkünsten, hast du keine Ahnung, Die man in Ubung setzte, Meuterei Im Lager auszusäen“.
Bei der Behandlung von Max und Thekla tritt bei Werder wieder die Neigung hervor, die ich in der Abhandlung über Macbeth beleuchtet habe, Schiller zu meistern, wie dies auch Jul. Schmidt und Hettuer vorgeworfen werden muss. Ich will hier nur auf den Grundirrtum hinweisen, wenn man von der Annahme ausgeht, als ob Schiller in diesen idealen Gestalten menschlich ſehlerlose Wesen hätte vorführen wollen. Seine Darstellung über Realisten und Idealisten in der Abhandlung über naive und sentimentalische Dichtung lehrt das Gegenteil. Scheint nicht auch Max dem Vater gegenüber in seiner Beurteilung Wallensteins im Recht zu sein? Und doch sehn wir, wie Schiller selbst über Oktavio urteilt und wie sehr sich Max in Wallenstein getäuscht hat. Es ist, wie Scherer in seiner Litteraturgeschichte sagt:„Der ldealist ist einseitig und der Realist ist einseitig, lehrt Schiller: nur beide zusammen gewähren das vollkommue Bild der Menschheit. Die Aufgabe der Poesie aber ist nach Schiller, der menschlichen Natur ihren möglichst vollkommnen, vollständigen Ausdruck zu geben. Diese Aufgabe will auch sein Wallenstein lösen“.
Hiermit schliesse ich meine Besprechung von Werders Buch. Max und Thekla den Schülern in dem schönen Lichte idealer Begeisterung erscheinen u lassen, macht dem Lehrer keine Mühc. Hier hat der Dichter, dem eignen Herzen folgend, den gauzen Glauz seiner edleu, mächtigen Sprache ergossen. Seine Anschauung aber bezeichnet er am schärfsten in den Worten:„Das ist das Los des Schönen auf der Erde“.


