Aufsatz 
Luft und Bewegung zur Gesundheitspflege in den Schulen
Entstehung
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Aehnliche Reſultate ergeben die Unterſuchungen von Neufyille in Frankfurt. ¹)

Sollte die ſchlechte Luft der Schulzimmer und der Schulſtaub we⸗ niger verderblich wirken?

Wir antworten: Nein!

Wenn es feſtſteht, daß überall die ſchlechte Luft der geſchloſſenen Räume der Ge ſundheit äußerſt nachtheilig iſt; ſo muß dies auch von der Luft der Schulzimmer gelten, und zwar einerſeits in geringerem Maße, in ſofern Lehrer und Schüler kürzere Zeit in der ſchlechten Luft verweilen, anderſeits in höherem Maße, inſofern die Schüler zum größten Theil in einem Lebensalter ſtehen, das eine geringere Widerſtandskraft beſitzt, und für ſchädliche Einflüſſe empfänglicher iſt, als in ſpäteren Jahren. Man kann daher mit Recht behaupten, daß die Schulen geradezu die Brutſtätten von Krank⸗ heiten aller Art ſind, und daß der andauernde Aufenthalt in der ver derbten Luft der Schulzimmer nicht nur eine beſondere Empfänglichkeit für jene Kinderkrankheiten bewirkt, denen ſo viele Kinder erliegen, ſondern auch die geſunde, kräftige Entwickelung der Jugend weſent⸗ lich beeinträchtigt.

Was die Lehrer betrifft, ſo haben bis jetzt die ſtatiſtiſchen Unterſuchungen kein ſicheres Reſultat ergeben, weil die Zahl der beobachteten Fälle zu gering war.

Casper) fand durch die Vergleichung von 3725 Todesfällen, daß die wahrſchein⸗ liche Lebensdauer verſchiedener Stände, vom zurückgelegten 23. Jahre an gerechnet als dem Alter, von dem an ein Einfluß der Berufsthätigkeit anzunehmen ſei durch⸗ ſchnittlich 60,2 Jahre beträgt, und daß unter allen von ihm in Betracht gezogenen Stän⸗ den nächſt den Aerzten die Lehrer die größte Sterblichkeit aufweiſen, indem ihre wahr ſcheinliche Lebensdauer nur 56,9 Jahre beträgt. Nach Pettenkofers) ſollen unter den Lehrern beſonders viele Krankheits- und Todesfälle in den Jahren vorkommen,nachdem ſie aus den Seminarien in die Praxis getreten ſind. In den erſten Jahren ihrer Be rufsthätigkeit muß ihr Körper die Probe beſtehen, ob er den Anforderungen des Dienſtes, worunter auch die ſchlechte Schulluft gehört, gewachſen iſt oder nicht.

Andere Berechnungen haben weniger ungünſtige Reſultate ergeben.

Was aber die Schüler anbetrifft, ſo iſt die übele Einwirkung der ſchlechten Luft der Schulzimmer noch nicht in dem Maße allgemein anerkannt, wie es nach dem jetzigen Stande der Wiſſenſchaft ſein könnte und ſollte.

Der Grund dieſer Unkenntniß liegt vorzugsweiſe darin, daß uns ein Maßſtab der Vergleichung abgeht. Daß in Gefängniſſen die Sterblichkeit insbeſondere an Phtiſis be⸗ deutender iſt, als in dem Stande der Freiheit, lehrt die vergleichende Statiſtik: aber die Sterblichkeit der Schulkinder, z. B. in Deutſchland, läßt keine Vergleichung zu, weil im Großen und Ganzen alle Kinder zur Schule gehen. Wenn aber wenige Stunden Auf

¹) Neufville, Lebensdauer und Todesurſache 22 verſchiedener Stände und Gewerbe, Frankfurt 1855. Vgl. Oeſterlen, S. 391..

²) Casper, die wahrſcheinliche Lebensdauer des Menſchen, Berlin 1835.

*) S. 106, ohne ſtatiſtiſche Belege!