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Von der eingeathmeten Luft geht ein Theil in das Blut und die Gewebe über, indem der Sanerſtoff der Luft ſich mit dem Kohlenſtoff und Waſſerſtoff des menſchlichen Organismus verbindet. Die durch dieſen Verbrennungsprozeß gebildeten Stoffe, nämlich Kohlenſäure und Waſſerdampf, werden durch das Ausathmen an die umgebende Atmo⸗ ſphäre abgegeben, und die ausgeathmete Luft enthält daher bedeutend mehr Waſſerdampf und 80mal ſo viel Kohlenſäure als die atmoſphäriſche Luft. ¹)
Die Thätigkeit der Haut(Transſpiration) führt der umgebenden Luft ebenfalls Kohlenſäure zu, ²) und außerdem eine nicht unbedeutende Menge anderer Stoffe, welche die Luft zum Athmen ungeeignet machen.
Die Erfahrung hat gelehrt, daß es nicht, wie man früher glaubte, der geringere Sauerſtoffgehalts) oder auch der größere oder geringere Gehalt an Waſſerdampf iſt, was die Luft in geſchloſſenen Ränmen vorzugsweiſe ungeſund macht. Ebenſo wenig ſcheint es der größere Kohlenſäuregehalt zu ſein. Nach von Leblanc angeſtellten Verſuchen blie⸗ ben Thiere in einer Miſchung von 3 Theilen Kohlenſäure und 7 Theilen atmoſphäriſcher Luft am Leben, und Davy hielt es in einer ſolchen Miſchung eine Minute lang aus. Vielfache Verſuche mit künſtlich hergeſtellter Luftmiſchung haben gezeigt, daß der Menſch einen ſehr bedeutenden Kohlenſäuregehalt ohne Beſchwerde ertragen kann. ⁴)
Dagegen erſcheinen als ſehr nachtheilig jene anderen Zerſetzungsprodukte, welche durch die Perſpiration und Transſpiration der Menſchen, ſowie durch anderweitige chemiſche Prozeſſe zu gleicher Zeit mit der Kohlenſäure der Luft zugeführt werden. ⁵*) Es ſind dies zum Theil abgeſtorbene und faulende Pflanzen- und Thierſtoffe, Paraſiten, Pilze und Infuſorienkeime, die ſich als feiner Staub beim Ausathmen aus den Lungen, und durch die Verdunſtung von der Haut des Menſchen, von naſſen Kleidern und Schuhen, feuchten Wänden und Fußböden erheben und in der Luft ſchweben. Man hat das Vor— handenſein ſolcher Stoffe in der ungeſunden Luft(Malaria) der Reisfelder, der pontini⸗ ſchen Sümpfe und in Krankenſälen in Mailand und London durch chemiſche Verſuche nachgewieſen; aber es iſt noch nicht gelungen deren Gewicht und Menge genau zu be— ſtimmen, und danach ihren nachtheiligen Einfluß wiſſenſchaftlich genau darzulegen. Auch wo ſie bis jetzt chemiſch nicht nachweisbar ſind, werden ſie leicht durch den Geruchs⸗ ſinn erkannt, indem ſie jenen fauligen Geruch verurſachen, den man überall in Kran⸗ kenhäuſern, Gefängniſſen und Schulen findet. ²) Man darf annehmen, daß die Menge dieſer Stoffe in geſchloſſenen Räumen in gleichem Verhältniß ſteht mit der in denſelben Räumen und derſelben Zeit durch Perſpiration und Transſpiration und durch anderwei⸗
¹) In 100 Raumtheilen der ausgeathmeten Luft finden ſich nach Brunner und Valentin: Stick⸗ ſtoff 79,55, Sauerſtoff 16,03, Kohlenſäure 4,38 Theile. Wundt S. 337.
²) Nach Scharling etwa 0,008 bis 0,01 der gleichzeitig durch die Lungen ausgeathmeten Kohlenſäure. Vgl. Wundt S. 345.
³) Wundt S. 340.
⁴) Pappenheim Handbuch der Sanitätspolizei, Berlin 1859, Bd. II. S. 170.
⁵) Pappenheim, Bd. II. S. 171.
⁶) Haucht man wiederholt in ein ſorgfältig gereinigtes Gefäß, verſchließt es dann luftdicht; ſo empfin⸗ det man nach einigen Tagen beim Oeffnen jenen fauligen Geruch, der auf eine Zerſetzung von or⸗
ganiſchen Subſtanzen deutet. 1*


