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Skrophuloſe durch ausſchließlichen Genuß von Kartoffeln, Typhus durch verderbtes Trink⸗ waſſer, die Cholera durch Einathmen ſchädlicher, aus feuchtem Boden aufſteigender Gaſe.
Neben Licht und Wärme und der durch den Schlund aufgenommenen Nahrung iſt aber die Luft die wichtigſte Lebensbedingung. Ein erwachſener, arbeitender Mann be— darf zu ſeiner Erhaltung täglich durchſchnittlich 5— 8 Pfd. Speiſen, ¹) welche 1—2 Pfd. feſte Stoffe enthalten. In derſelben Zeit athmen die Lungen 19—26 Pfd. Luft ein. ²) Man erſieht hieraus, wie wichtig es für die Entwickelung und Erhaltung des Menſchen ſei, daß ihm die Luft in der ſeinem Bedürfniß angemeſſenen Zu⸗ ſammenſetzung geboten werde.
Die Hauptbeſtandtheile der freien Luft ſind aller Orten und unter allen Verhältniſſen annähernd dieſelben, nämlich etwa 79 Raumtheile Stickſtoff und 21 Raumtheile Sauerſtoff.²) Außerdem enthält die freie Luft eine verhältnißmäßig geringe Beimengung von Waſſerdampf, Kohlenſäure und Ammoniak, und in ſehr geringen Mengen einige andere Gaſe. Der Waſſergehalt iſt je nach der Tempera⸗ tur und andern Verhältniſſen großen Schwankungen unterworfen: dagegen iſt der Ge⸗ halt an Kohlenſäure in freier Luft ziemlich feſtſtehend, nämlich 0,4 bis 0,6 Raum⸗ theile Kohlenſäure unter 1000 Raumtheilen atmoſphäriſcher Luft.
Durch die chemiſchen Vorgänge des Thier⸗ und Pflanzenlebens und der unorgani⸗ ſchen Natur werden dieſe Miſchungsverhältniſſe fortwährend geſtört: allein in der freien Luft gleicht ſich dieſe Störung durch die Diffuſion der Gaſe und die Bewegung des Win⸗ des fortwährend aus, ſo daß die für das Leben der Thiere und Pflanzen erſprießliche Miſchung erhalten bleibt. In geſchloſſenen Räumen dagegen, ſei es in engen Thä⸗ lern, zwiſchen hohen Gebäuden oder in den Wohnungen der Menſchen findet nur eine unvollkommene Ausgleichung Statt; und es entſtehen Miſchungsverhältniſſe, welche be⸗ wirken, daß die Luft zum Athmen ungeeignet, und für die Geſundheit des Menſchen nach⸗ theilig wird.
Solche Veränderungen werden beſonders fühlbar, wo in einem geſchloſſenen Raum viele Menſchen zuſammengedrängt werden. Sie verderben die Luft durch das Athmen (Perſpiration) und durch die Ausſcheidungen der Haut(Transſpiration).
¹) Durchſchnittsmenge der täglichen Nahrung nach Moleſchott 3448 Gramme, oder 6,896 Pfd. Zoll⸗ gewicht, hierunter: Waſſer 2800 Gramme, Albuminate 130 Gr., Fett 84 Gr., Fettbildner 404 Gr., Salze 30 Gr., im Ganzen 648 Gr. oder 1,296 Pfd. feſte Stoffe. BVgl. Wundt Lehrb. der Phy⸗ ſiologie des Menſchen. Erlangen 1865. S. 172.
²) Das Volumen des mittleren Einathmens iſt bei verſchiedenen Menſchen ſehr verſchieden. Vierordt fand als Mittel zahlreicher Verſuche 500 Kubikcentimeter für eine Exſpiration. Nimmt man die mitt⸗ lere Athmungsfrequenz 19 in der Minute, ſo erhält man für 24 Stunden 24. 60. 19. 500 Kub. Centim., oder 13,68 Kub. Met., und ſetzt man das ſpezifiſche Gewicht der Luft= 0,0012, ſo er⸗ Pin man als Gewicht der in 24 St. ausgeathmeten Luft ſogar 32,832 Pfd. Vgl. Wundt S. 330.
udge, Spezielle Phyſiologie des Menſchen, Weimar 1856, S. 73. nimmt nur 8—10 Kub. Meter
an, was obige 19—26 Pfd. ergeben würde.
²) In genauer Angabe: Stickſtoff 79,15, Sauerſtoff 20,81, Kohlenſäure 0,04 unter 100 Raumtheilen atmoſphäriſcher Luft. Wundt S. 337. Max Pettenkofer, über den Luftwechſel in Wohngebäu⸗ den. München 1858, S. 79.


