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thätigung der perſönlichen Güte der wohlthätigen Stifter eine nicht geringe Förderung in jenen vorerwähnten Ideen gefunden haben, welche, wenn nicht Alles trügt, ſchon von der Mitte
des erſten Jahrhunderts an die Atmoſphäre des heidniſchen Rom allmählig wie himmliſche
Wohlgerüche zu erfüllen begannen. 41 ½)
¹17) Noch nirgends, unſeres Wiſſens, iſt bis jetzt im Zuſammenhange der Nachweis verſucht worden, von wann an und in welchen Erſcheinungen ſich die allmählige Einwirkung chriſtlicher Ideen lange ſchon vor dem endlichen Siege des Chriſtenthums in dem religiöſen, wie in dem politiſchen und ſocialen Leben der Heiden bemerkbar machte. Von der frühzeitigen, ſchnellen und allwärtigen Ausbreitung der chriſtlichen Lehre und der überraſchenden Zunahme der Zahl ihrer Bekenner in Italien ſchon bald nach dem erſten Pfingſtfeſte in Jeruſalem zeugen die tumultuariſchen Vorgänge unter den Juden zu Rom unter der Regierung des Kaiſers Clau- dius(41—54 n. Chr.), wobei ſelbſt der Perſon Chriſti gedacht wird(vgl. Lehmann Claudius und Nero und ihre Zeit S. 140 ff. und Vorwort S. I-II; A. v. Reumont Geſchichte der Stadt Rom I S 357 ff.), ſowie die bekannte Chriſtenverfolgung unter Nero, und weiter auch die Spuren chriſtlicher Lehre in dem 79 n. Chr. ver⸗ ſchütteten Pompei(vgl. J. B. v. Roſſi pullet. d. archeol. crist. 1864 p. 69 u. 92 sdd.); von dem Eindringen derſelben Lehre in die höchſten Stände zeugen die Vorgänge mit Pomptina Gräcina unter Nero(54— 68 n. Chr.; ogl. Friedländer dissert. de Pomptina Gracéina superstitionis externae rea, Königsberg 1868, 4.), ſowie in der Familie der Flavier(69— 96 n. Chr.; vgl. J. B. v. Roſſi a. a. O. 1865, ann. III. n. 3. p. 23 sq.; v. Reu⸗ mont a. a. O. S. 418 ff.; Imhof Kaiſer Domitian S. 116.) Cbenſo iſt das Hervortreten der Chriſten unter Nerva in den milden Maßregeln gegen die Juden bemerkbar(vgl. a. a. O. p. 12; v. Reumont a a. O. S. 451). Noch beſtimmter läßt ſich der Einfluß der chriſtlichen Lehre aus den Vorgängen unter. Trajan erkennen. Der bekannte Brief des Plinius, wol das ſchönſte Zeugniß aus der Urzeit des Chriſtenthums, und die Regierungs⸗ maßregeln, auf welche man endſchließlich den Chriſten gegenüber ſich beſchränkte, ſind unwiderlegliche Beweiſe des großen geiſtigen und moraliſchen Einfluſſes, welchen Zahl, Lehre und Leben der damaligen Chriſtusbekdnner bereits aus⸗ zuüben begonnen hatten(vgl. Francke a. a. O. S. 519 ff.; v. Reumont a. a. O. S. 451). Trotz ſeiner ent⸗ ſchieden feindlichen Stellung zum Chriſtenthume, deren Gründe v. Reumont a. a. O. S. 458 erörtert, konnte der Kaiſer nicht umhin in ſeinem Antwortſchreiben an Plinius auch bezüglich des gegen die Chriſten einzuhaltenden Verfahrens auf die unabweisbaren Forderungen des veränderten Zeitgeiſtes hinzuweiſen(vgl. v. Reumont a. a. O. S. 455). So mag auch wol die im Leben werkthätig hervortretende Nächſtenliebe der Chriſten ſelbſt faſt un⸗ bewußt auf die natürliche Herzensgüte von Männern, wie Trajan, Plinius und die beſſern unter ihren Zeitge⸗ noſſen waren, nicht ohne Einwirkung geblieben ſein. Auch nach ieſer Zeit, unter Hadrian und den Antoninen, prägen ſich in den widerlichen Stier⸗ und Widderopfern(Taurobolien und Kriobolien), mit ihrer„Wiedergeburt in Ewig⸗ keit“,(vgl. Piper Evangeliſcher Kalender für 1868 S. 39 ff. und dagegen Keſſel im Bonner Theol. Literaturblatt 1868 N. 11 S. 356), wie auch in den zahlreichen Formeln von Grabſchriften, welche der ewigen Ruhe(quies aeterna), der ewigen Seligkeit(perpetua securitas), dem ewigen Gedächtniſſe(memoria perennis) der Verſtorbenen gewidmet ſind, endlich in dem bekannten Spott⸗Crucifixe aus den Subſtruktionen der Kaiſerpaläſte aus den Zeiten Hadrians (ogl. F. Becker das Spott⸗Crucifix der röm. Kaiſerpaläſte, Breslau 1866, und P. Münz in Annal. des Naſſ. Ver. VIII S. 471 ff.) mißverſtandene oder böswillige Verunſtaltungen der chriſtlichen Lehre aus. Da letztere den Heiden zuerſt nur oberflächlich bekannt wurde, in ihrem tieferen Grunde aber lange verſchloſſen und unverſtändlich blieb, überdieß mit der geſammten heidniſchen Glaubensanſchauung im ſchneidendſten Gegenſatze ſtand, ſo kam es, daß ſie in zwiefacher Weiſe entſtellt wurde, indem man ſie entweder nachahmte oder vielmehr nachäffte(vgl. Le Blaut Insc. chrét. de la Gaule II. p. 71—72), oder aber in den gröbſten Verzerrungen zu den gehäſſigſten Anfein⸗ dungen und verläumderiſchſten Beſchuldigungen mißbrauchte.


