Aufsatz 
Antike und moderne Erziehung : 2. Die Behandlung der verlassenen Kinder im klassischen Altertum
Entstehung
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1.

derſelben Art, wie die Kinderalimentations⸗Stiftungen ſpäterer Kaiſer iſt, von welchen weiterhin zu ſprechen ſein wird. Der Stifter derſelben war ein gewiſſer T. Helvius Baſila, welcher den Einwohnern von Atina in Latium ein Capital von vierhundert tauſend Seſterzien vermachte, um ihren Kindern, bis ſie erwachſen, aus den Zinſen Getreide und darnach je tauſend Seſterzien zu ſpenden. Aus der doppelten Natur dieſer Stiftung iſt man wol, zumal im Hinblicke auf die Alimentationen der Folgezeit, zu der Annahme berechtigt, daß den Knaben und Mädchen bis zu einem beſtimmten Lebensjahre nicht blos die Mittel zum leiblichen Unterhalte, ſondern auch zu ihrem weiteren Fortkommen gewährt werden ſollten. ⁴¹)

Unter den Nachfolgern des Auguſtus bis zum Ende des erſten Jahrhunderts werden nun zwar Nero, Titus und Galba wegen ihrer Freigebigkeit gerühmt, aber es bezog ſich dieſelbe mehr auf das Volk im Großen und Ganzen, ohne daß dabei den dürftigen und verlaſſenen Kin⸗ der beſondere Fürſorge zugewendet worden wäre; wenigſtens liegen keine Andeutungen über eine ſolche vor. ⁴²) Erſt Kaiſer Nerva(96 98 n. Chr.) war es, der allen ſeinen Nachfolgern durch beſondere wohlthätige Stiftungen) voranging und die Kinder(Knaben und Mädchen) un⸗ bemittelter Eltern durch alle Städte Italiens auf öffentliche Koſten erziehen ließ. Indem Nerva dieſe Kinder nicht blos in Rom gleich den Erwachſenen zur Theilnahme an den Getreideſpenden heranzog, ſondern ihnen durch Stiftung und Anlage von Capitalien in ganz Italien Alimente gewährte, ſuchte er der wachſenden Schwierigkeit der Kinderaufziehung durch dieſes Inſtitut der Alimenta⸗ tion entgegen zu treten, 4⁴) der gräulichen Unſitte der Ausſetzung zu ſteuern und dem zerrütteten ehelichen und Familienleben ſelbſt aufzuhelfen. Mit Recht hat Henzen darauf hingewieſen,*) daß dieſes Vorgehen Nervas in dem ganzen Geiſte ſeiner Regierung begründet ſei, welche, wie Krauſe

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*¹) Vgl. Inſchrift von Atina bei Orelli 4365 und Mommſen Insc. Reg. Neapolit. Lat. 4546, in welcher es heißt: T. Helvius..... legavit, ut liberis eorum ex reditu, dum in aetatem pervenirent, frumentum et postea sestertia singula millia darentur. W. Henzen de Tabula alimentaria Baebianorum, Romae 1845, 8, (Annal. d. inst. archeol. vol. XVI v. 1844; vgl. unten A. 43) p. 18.

) Vgl. Cramer S. 495.

43) Zur Literatur über das geſammte Spende⸗ und insbeſondere Alimentationsweſen bei den Römern ſind außer den von Henzen in Annal. d. inst. archeol. vol. XVI.(1844) p. 7 angeführten Quellen noch zu vergleichen: Spanheim d. us. et praest. num. II. p. 542; Fr. A. Wolf Von einer milden Stiftung Trajans, vorzüglich nach Inſchriften, Berlin 1808, 4; C. H. Paufler quaestio antiquaria de pueris et puellis alimentariis specimen I III. c. fig. aere incisis, Dresd. 1809 1811(vgl. Krauſe S. 349 f. und A. 3); Cramer S. 495 ff.; Krauſe S. 346 350 und 358 f.; H. Francke zur Geſchichte Trajans und ſeiner Zeitgenoſſen, Güſtrow 1837, S. 377 ff.; Becker⸗Marquardt III, 2 S. 112 117 und die in A. 576 angeführten Schriften; Schück S. 4 ff.

4⁴) Vgl. Becker⸗Marquardt a. a. O. V, 1 S. 72 A. 388.

*) Vgl. a. a. O. p. 10.

(1871) 3