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mehr oder weniger beherrſchenden Haupttheil bilden, wie bei den Hellenen, ſondern nur als ein allerdings nothwendiger und weſent⸗ licher Zweig des Unterrichts Geltung erhalten. Immerhin aber mag die Turnkunſt auch in dieſer ihr angewieſenen Stellung ihr Vorbild nicht außer Acht laſſen und insbeſondere noch viel von den Hellenen lernen können, was zur Erzielung eines edeln An⸗ ſtandes förderlich iſt und die ſtetige Beachtung der Geſetze des guten Geſchmackes ſowie eines geläuterten Sinnes für Formen⸗ ſchönheit einprägt, durch welche alle Uebungen und Bewegungen des Leibes veredelt werden*). Auf ſolche Weiſe wird es der Turn⸗ kunſt ermöglicht werden, ihre vollberechtigte Stellung innerhalb der chriſtlichen Erziehungsſphäre immer mehr zu befeſtigen und ihre wahl zu würdigende Aufgabe allſeitig zu löſen, um insbeſondere auch jene jetzt ſo eifrig erſtrebte Wehrhaftmachung und Kri egs⸗ tüchtigkeit des Volkes anzubahnen, welche dereinſt den prakti⸗ ſchen Römern das letzte Ziel und Ende ihrer Leibesübungen war und ihnen die Welt zu Füßen legte, wie ſie, als natürlicher Ausfluß der Gymnaſtik, die geiſtvollen Hellenen zu unſterblichen Thaten in Land⸗ und Seekriegen befähigt hatte.
§) Bgl. Münſcher a. a. O. S. 9 ff.
Die beiden Schlußkapitel dieſer Abhandlung: IV. Mittel und Wege der antiken Erziehung, v. Erfolg der an⸗ tiken Erziehung, bleiben einem ſpäteren Programme vorbe⸗ halten.


