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Wie ſchon oben theilweiſe angedeutet, iſt uns in der antiken insbeſondere Helleniſchen Gymnaſtik ein bisjetzt unerreichtes Vor⸗ bild und Muſter in großem Maßſtabe abgeſchloſſen vor Augen geſtellt, an welchem der erfolgreiche Einfluß der Leibesübungen auf die geſammte Volkserziehung in einer Weiſe offenkundig hervor⸗ tritt, daß die, wenn auch immerhin nicht zu unterſchätzenden Er⸗ folge*³) der bezüglichen, unter dem Namen des Turnen 8' be⸗ griffenen modernen Leiſtungen im Vergleiche dazu, als ſo winzige und unfertige Ergebniſſe erſcheinen, daß ſie ohne Zweifel nur das Lächeln der Hellenen erregt haben würden**). Urſprung und Aus⸗ bildung wie Weſen und Bedeutung Helleniſcher Gymnaſtik und Deutſcher Turnkunſt ſind zu verſchieden, als daß es anders ſein könnte. Jene, dem Genius und dem Charakter des Helleniſchen Volkes entſtammt, in ſtetem unbewußtem Fortſchritte mit der Ent⸗ wickelung des nationalen Geiſtes, nahm unbeſtritten eine feſte Stel⸗ lung in der allgemeinen Jugenderziehung ein und gipfelte in einer mannigfachen Weiſe allſeitig gegliederter Uebung und äſthetiſcher Formenvollendung des Leibes. Die deutſche Turnkunſt dagegen, das noch junge Produkt planmäßiger Bemühungen einzelner Männer, wie Guthsmuths und Jahn, zur Befriedigung eines gerade in Folge des bisherigen Mangels an Leibesübungen von ihnen erkannten Bedürfniſſes der deutſchen Volksbildung ins Leben ge⸗
⁸s³) Vgl. Dr. Münſcher Vergleichung des deutſchen Turnens mit der griechiſchen Gymnaſtik. Feſtrede im Programm des Gymnaſiums zu Guben, 1863, S. 4. 6.
³⁰) Treffend hat dieſes muthmaßliche Lächeln der Helleuen einer der feinſten Kenner Helleniſchen Lebens, Friedrich Jacobs(Vern= Fr. III. S. 176— 183), näher motiviert und läßt dabei die Hellenen zulcel ſolgende Worte an die Deutſchen richten: Die Tugend erwuchs in unſerer Heimath aus anderen Wurzeln, ſie wurde in die Geſundheit des Geiſtes und Leibes geſetzt und dieſe durch eine gleichförmige, einfache, aber in allen ihren Theilen wohl zuſammenhängende Erziehung gefördert. Möchtet Ihr den Muth haben, eine ſolche Erziehung, wie ſie Euerer Zeit und der Verfaſſung Euerer Staaten angemeſſen iſt, zu ſuchen: dann werden Euch die Götter auch das Uebrige verleihen, und Deutſche Mannhaftigkeit mit Helleniſcher Tugend wetteifern können.“


