die ich für sehr wesentlich halte. Ich erwähne davon nur die Vorschrift, auch die Phonetik heranzuziehen. Gerade in dieser Hinsicht hatte ich mich bei meinen Besuchen in den franzôsischen Schulen arg enttäuscht gefühlt, da ich von der Benutzung praktischer phonetischer Hilfsmittel(Lauttafeln, Lautschrift, phonetische Winke bei falscher Aussprache) nichts wahrnahm. Ich konnte nicht umhin, die zum Teil recht schlechte Aussprache des Deutschen und Englischen, die ich vorfand, mit auf diesen Mangel zurück- zuführen. Im allgemeinen aber sind uns die Franzosen in der Anwendung der direkten Methode entschieden voraus, was natür- lich in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben ist, daß die amtlichen Lehrpläne diese Methode bis ins einzelne vorschreiben und daß die staatlichen Aufsichtsorgane, besonders die„Inspecteurs généraux“ die Durchführung mit unerbittlicher Strengeberwachen. Natürlich finden sich auch unter den franzôsischen Neusprachlern noch Gegner der Methode, aber gegenüber dem Druck, der von der Behörde ausgeübt wird, sind sie machtlos und müssen sich fügen oder das Feld räumen. Doch wäare es verkehrt, diese Haltung der Unterrichtsbehörde ohne weiteres zu verurteilen. Sie beruht auf der ganzen Eigenart der französischen Schul- verhältnisse, ist aber vor allem wiederum eine Folge des bereits angedeuteten Prüfungssystems, das eine moôglichst einheitliche Ausbildung der Schüler unbedingt erfordert.
Bei uns liegen die Verhàltnisse wesentlich anders. Wir prüfen die Schüler an der Anstalt, die sie bisher besucht haben, und nach der Methode, die in ihrem Unterricht zur An- wendung gelangt ist. Daher vermag unsere Regierung den einzelnen Anstalten weit mehr Bewegungsfreiheit in methodischer Hinsicht zu gestatten, und dafür können wir ihr nur dankbar sein. Wir wünschen nicht, daß der Methodenstreit, der bei uns zwar in friedlichere Bahnen eingelenkt hat, der aber noch lange nicht geschlichtet ist, durch ein Machtwort von oben beigelegt und damit eine methodische Zwangslage geschaffen wird. Wir hoffen vielmehr zuversichtlich, daß die Fehde in nicht allzuferner Zukunft dadurch ein Ende nehmen wird, daß auch die letzten Gegner vor den Grundwahrheiten der direkten Methode, deren innere Berechtigung immer klarer zu Tage tritt, und vor ihren un- leugbaren Erfolgen und Vorzügen die Waffen strecken.
———
32


