Aufsatz 
Eindrücke und Beobachtungen während eines Studienaufenthaltes in Frankreich
Entstehung
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1901 und 1902 derConcours général, d. h. eine Wettprüfung zwischen den sämtlichen Staatsanstalten Frankreichs, in Wegfall gekommen ist, und es ist zu hoffen, daß noch weitere Breschen in das System der unaufhörlichen Prüfungen, der Preise, der Ehrentafeln und aller derartigen zur Anspornung dienenden Mittel und Mittelchen gelegt werden. Auch hinsichtlich der Schul- zucht, insbesondere der Haltung der Schüler während des Unterrichts glaube ich, daß es besser geworden ist, wenn ich die Urteile französischer und deutscher Fachleute mit meinen Beobachtungen vergleiche. Gewiß fand ich vielfach eine Unruhe, eine Unaufmerksamkeit, eine Neigung zum Plaudern oder Durch- einandersprechen, wie wir sie bei uns nicht dulden würden. Aber auch hier muß man, um nicht ungerecht zu sein, die be- wegliche, neugierige, mitteilsame Natur des Franzosen in Be- rücksichtigung ziehen. Wenn man die Haltung der franzõsischen Soldaten mit der der unseren vergleicht, versteht man auch den Unterschied, der im allgemeinen zwischen der franzõsischen und der deutschen Schulzucht wahrzunehmen ist.

Was endlich die Anwendung der direkten Methode im fremdsprachlichen Unterricht anbetrifft, so fand ich meine Erwartungen weit übertroffen. Zwar war mir wohl bekannt, daß diese Methode seit 1902 amtlich vorgeschrieben ist, aber ich hatte nicht geglaubt, daß sie so schnell und so gründlich durchgeführt werden würde, als es tatsächlich geschehen ist, zumal da in Frankreich die strenge Anwendung gesetzlicher Be- stimmungen manchmal ziemlich lange auf sich warten läßtt, was besonders mit dem haufigen Personenwechsel in den maß- gebenden Stellungen zusammenhângt. Nach den Beobachtungen, die ich an Ort und Stelle gemacht und die ich im vorher- gehenden zu schildern versucht habe, ist jedoch jeder Zweifel in dieser Hinsicht ausgeschlossen. Den Franzosen ist es heiliger Ernst mit der Durchführung der direkten Methode. Wo ich auch hinkam, überall fand ich sie mit großem Eifer gehandhabt. Wohl entsprach der Erfolg nicht immer völlig der aufgewandten Mühe, zumal in den Klassen, die vorher gar nicht oder nicht rein nach dieser Methode unterrichtet worden waren. Aber das sind UÜbergangserscheinungen, die unvermeidlich sind, und andrer- seits soll ja auch die Unterrichtsreform mit den Lehrplanen von 1902 nicht für immer abgeschlossen sein. So bringen die Ergänzungen und Ausführungsbestimmungen, die im Dezember vorigen Jahres erschienen sind, bereits eine ganze Reihe von Verbesserungen,

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