Schiller im Urteil eines Pfälzers 59
Johann Wilhelm Petersen aus Bergzabern, ein Bruder des oben S. 32 genannten Karl Ludwig P. S. über ihn jetzt J. Hartmann, Schillers Jugendfreunde S. 186 ff. Von den Kunstschülern, die mit Schiller, Dannecker und Zumsteeg auf der Solitude und in Stutt- gart zusammenlebten, verdient als Pfälzer hier der Architekt Jakob Atzel(1754—1816) aus Lohnsfeld bei Winnweiler Erwähnung. S. J. Hartmann a.a.©. S. 306 ff. und J. Proelß in: Marbacher Schillerbuch II(1907) 162 f.
Im Jahre 1774 kam Herzog Karl Eugen von Württemberg auf den eigentümlichen Gedanken einen Befehl zu erlassen, nach dem jeder der älteren Zöglinge der Karlsschule nicht nur von sich selbst sondern auch von allen Genossen seiner Abteilung eine Schilderung zu Papier bringen mußte, worin ihre Fehler und Fähigkeiten nach bestem Wissen und Gewissen anzugeben waren. Der Karlsschüler Atzel(geb. 31. Juli 1754 zu Lohnsfeld bei Winnweiler, gest. 25. März 1816 zu Ulm als Landbaumeister der Landvogteien an der Donau und am Bodensee) äußerte sich über seinen jüngeren Mitschüler also:„Schiller gibt zu erkennen, daß sein Herz, welches durch die Religion gebildet ist, edel von Euer Herzoglichen Durchlaucht und Vorgesetzten denkt. Er zeigt sich auch als einen rechtschaffenen Freund seiner Mitbrüder. So- viel man aber von ihm wahrnimmt, so ist er nicht ganz mit sich. jedoch mit seinem Schicksal zufrieden. Die Ursache der Unzu- friedenheit seiner selbst liegt seinen Reden nach darinnen: weil er sich nicht genug bemühet hat, die von der Natur erhaltene sehr gute Gaben anzuwenden. Hiergegen beobachtet er die Rein- lichkeit, sowohl an Körper als in den Zimmern. Seine Haupt- eigenschaft ist die Aufrichtigkeit. Zur Poesie hat er eine sehr große Neigung.“ Weniger günstig lautet Sch.s Bericht über Atzel, der„die Reinlichkeit am Körper vernachlässigt, weil er sich all- zuviel Geschäfte macht.“ Doch„verrät er“...„Menschenliebe, Aufrichtigkeit und Nachdenken,... richtet alle Gedanken auf die schönen Künste.“(Säkular-Ausgabe 16, 316 f.)
Außer Petersen und Atzel finden wir noch folgende Pfälzer unter den Schülern der Hohen Karlsschule(1770—1794): J2:.G,,Schräder zaus'Stetten#(17. 1L-1771&=:12:V11771).
(S. H. Wagner, Geschichte der Hohen Carls-Schule I S. 350.)


