Aufsatz 
Zur Verfassungsgeschichte des Rheinbundes
Entstehung
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Ist aber die deutsche(Wiener) Bundes-Akte vom Jahr 1815 mehr werth als die Rheinische vom Jahr 1806, oder ist sie noch schlechter? Die Jetzt-Zeit hat schon für Letzteres entschieden und die Nach-Zeit wird dieses Urtheil, je länger je mehr, bestätigen. Mir insbesondere(ich ge- stehe es freimüthig) ist es geschehen, dass ich(zwar nicht allzu viel mir von jenen Männern ver- sprechend, die ich am Ruder der grossen Staaten sah und in den Jahren 1813 und 1814 kennen gelernt hatte, aber doch Etwas erwartend) die im Druck erschienene Wiener-Akte zweimal durch- las und jedesmal glaubte, nicht recht gelesen zu haben; so leer, so verworren und so Völkerrecht-, Vorsicht- und Vernunft-widrig fand ich sie! Mehr oder minder ist es, wie ich glaube, jedem Staatsmann so gegangen. Die Zeitfolge wird lehren, welches Unheil man Deutschland, Italien, Belgien u. s. w. vorbereitet hat! Dominus prowidebit!

Der zweite Nachtrag ¹) enthält, wie wir aus der Randbemerkung ersehen,Einige Bemerkungen zu dem bei hiesiger öffentlichen Stadt-Bibliothek von mir niedergelegt werdenden Entwurf des Fundamental-Status des Rheinischen Bundes zur Entwickelung der Bundes-Akte vom 12. Juli 1806. Geschrieben zu Mainz am 14. September 1822. Eberstein spricht zunächst von der überschnellen Entstehung und Unterzeichung der Rheinbunds-Akte seitens der Verbündeten, wovon in dem ersten Teil dieser Abhandlung die Rede war, und führt dann ein sehr richtiges Urteil an, welches einst der französische Minister Champagny über den Rheinbund fällte:

Ein Abgeordneter eines kleinen deutschen Hofes sprach bei Champagny von den arrange- ments, die der Kaiser durch den Rheinischen Bund in Deutschland gemacht habe. 2La confédé- ration rhénane, antwortete der Kaiser, n'est pas un arrangement; dest une mésure.

Napoleon wollte seine Streitkräfte gegen die grossen Mächte vermehren: die deutschen Fürsten sollten ihm Truppen stellen. Er achtete sehr die deutsche Tapferkeit und bei einer Veranlassung äusserte er sich:Je veuæ avoir des soldats allemands, ils sont braves et pas raisso- nans comme nos Frangçais.

Man glaube auch nicht, dass es dem Kaiser nicht Ernst gewesen sei, etwas aus Deutsch- land(rreilich nur zu seinem Vortheile) zu machen. Es war anfänglich sein fester Wille, dem neuen Bunde eine Verfassung zu geben, wenn er ihn gleich nach seinem Gefallen leiten wollte. Aber er fand unter dengrösseren Ständen, namentlich von Bayern und Würtem- berg, überall Widerspruch und wollte diese, weil sie ihm die meisten Truppen stellen konnten, nicht indisponiren....

Napoleon äusserte sich einst im Jahre 1810(wo der Fürst Primas Gottlob ohne mich, abermals in Paris war) in Gegenwart des Königs von Bayern bei Hofe auf eine offene, un- zweideutige Weise:Vous ne voulez pas d'ordre chez vous, Jai voulu vous donner une consli- kution, vous n'en avez pas voulu. Vous avez supposé, que Je voulais me faire empereur d'Alle- magne. N'y croyez pas, je ne voudrais pas de votre couronne. Ouvrezs Shistoire: de tout tems vous avez chicané vos empereurs, de sorte que ceuæ d'entre euæx, qui voulaient le bien, n'ont jamais rien puͤ faire. Ce n'est pas mon intérét d'étre votre chef; Fai les mains plus libres en vous restant étranger et je saurai bien vous faire ma volonté!r

Nunmehr folgen Bemerkungen über das von ihm schon in Frankfurt(vor seiner Abreise nach Paris) bearbeitete und mit La Besnardière besprochene Fundamental-Statut:

Ich(bei Gott, niemals ein Anhänger Napoleons noch der Franzosen überhaupt) sah die Sache 80 an: Wir sind einmal zur Strafe unserer Sünden unter Napoleons Gewalt; unsere Macht ist gegen ihn unvermögend; wir müssen sonach uns in die Zeiten schicken und zu laviren und uns zu erhalten und das zu erreichen suchen, was zu Deutschlands Bestem unter diesen Umständen möglich ist.

¹) Ebersteins Nachlass: 26, I, 4.