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In einer am 5. November abgehaltenen Konferenz besprach Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer die bei Durchsicht der Schülerarbeiten und bei Anwesenheit in den Unterrichtsstunden ge- machten Beobachtungen, auf Grund deren er beim Unterrichtsminister die Abhaltung der für die Anerkennung der Realschule entscheidenden ersten Reifeprüfung beantragen werde. Zu- gleich aber sprach er sein lebhaftes Bedauern darüber aus, dass der für die Schule dringend nötige Erweiterungsbau noch nicht begonnen sei.
Von den städtischen Behörden ist inzwischen die Verpflichtung übernommen worden, die nötigen Räume in diesem Jahr herzustellen, und die Abhaltung der ersten Reife- prüfung der Realschüler ist am 27. Januar vom Herrn Minister genehmigt worden. Die schriftlichen Arbeiten wurden in der dritten Woche des Februar angefertigt. Die mündliche Prüfung der Primaner wurde unter Vorsitz des Königlichen Kommissars, des Herrn Geheimrat Dr. Lahmeyer, am 9. März abgehalten. Das Ergebnis war für alle Prüflinge ein günstiges, und es wird vom Königlichen Provinzial-Schulkollegium bei Einsendung der Prüfungsarbeiten und der Prüfungsverhandlungen die Anorkennung der Realschule beim Herrn Unterrichtsminister beantragt werden.
4. Schulfeierlichkeiten. Die Sedanfeier wurde wie gewöhnlich im kleinen Tannenwald begangen. Die Festrede hielt Herr Professor Dr. Glaser; er besprach, an- knüpfend an die grossen deutschen Siege der Jahre 1870 und 1871, die bohe Bedeutung nationaler öffentlicher Feste hinsichtlich der Erweckung und Belebung des patriotischen Pflicht- gefühls.— Als am 16. Oktober Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von Russland und die Kaiserin Friedrich zur Grunqdsteinlegung für die russische Kirche nach Homburg kamen, stellten sich unsre Schüler zum Empfang in der Nähe des Bahnhofs auf; der Nachmittagsunterricht fiel aus— Bei der Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers hielt Herr Professor Fröhling die Festrede. Ausgehend von der Ent- hüllung des Kyffhäuser-Denkmals am 18. Juni 1896, gab er eine Obersicht über die Entste- hung und Umbildung der Kyffhäuser Sage, die sich zunächst auf den am 13. Dezember 1250 plötzlich in Unteritalien gestorbenen Kaiser Friedrich Il. bezog. Es wurde das Wachstum der Sage im 14. Jahrhundert, ihr allmähliches Verblassen und ihre neuen Züge in den Dich- tungen unsers Jahrhunderts dargelegt, worauf der Redner am Schlusse auf das bei der Ent- hüllungsfeier von Kaiser Wilhelm II. gesprochenen Worte„Treue gegen Treue“ kam und die hohe Bedeutung des Festtages hervorhob.— Am 15. Febr. wurde gemäss dem Ministerial-Erlass vom 1. Februar den evangelischen Schülern die Bedeutung Melanchthons für die Refor- mation und für die deusche Schule dargelegt, auch wurde ein das Leben und die Wirksam- keit Melanchthons schilderndes Flugblatt, das uns in 140 Exemplaren durch Herrn Konrektor Baer übergeben worden war, an die evangelischen Schüler verteilt,
Der 2 2. März wird in dankbarer Erinnerung an Kaiser Wilhelm den Grossen, den Gründer des neuen deutschen Reiches, mit einer Schulfeier begangen werden, die das Bild des edlen, vor 100 Jahren geborenen Herrschers der Jugend lebhaft vor Augen führen soll. Die Festrede wird Herr Professor Dr. Spranck halten. Nach Beschluss des Magi- strates wurden aus städtischen Mitteln 80 Exempl. der Festschrift der Stadt Berlin und 125 Exem- plare der Schrift von A. Wolter,„Kaiser Wilhelm der Grosse“ gekauft und die ersteren an die Schüler der oberen, die letzteren an die Schüler der unteren Klassen als Geschenk zur Erinnerung an die Feier des Gedenktages verteilt.
5. Gesundbeitszustand der Lehrer und der Schüler. Von der Krankheit und der Beurlaubung des Herrn Oberlehrers Giesse sowie von der Krankheit und dem Tode des II. Stadtpfarrers Harth ist schon oben gesprochen worden. Ausserdem musste H. Oberlehrer Rudolph, der sich durch einen Fall verletzt hatte, vom 7.— 23. Dezember und vom 9.— 13. Januar, und Herr Hoffmann vom 8.—16. Februar wegen Krankheit der Schule fern bleiben. H. Rabbiner Dr. Kotteck konnte vom 4. Juni bis Ende August keinen Unterricht erteilen, er wurde durch Herrn Spier vertreten. Vom 21.— 25. September war H. Professor Dr. Spranck beurlaubt, um den Sitzungen der Naturforscher-Versammlung in Frankfurt beiwohnen zu können.— Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut. Am 12. Mai 1896 wurden 28 Schüler durch Herrn Geheimrat Dr. Deetz geimpft.


