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III. Chronik der Schule. 4
1. Schulzeit, Ferien, Ausflüge. Das Schuljahr begann am 13. April 1896
und endigt am 10. April 1897. Die Ferien umfassten die durch die Ferienordnung unsrer Pro-
vinz festgesetzten Zeiten. Wegen zu grosser Hitze fiel der Nachmittagsunterricht aus am 5,
15., 16. und 18. Juni— Die Schülerausflüge wurden am 8. Mai gemacht, indem die oberen
Klassen über Jugenheim in den Odenwald, die mittleren nach Aschaffenburg und in den Spessart, die unteren in den Taunus gingen.
2. Veränderungen im Lehrkörper Herr Oberlehrer Giesse, der seit No- vember 1895 durch Krankheit an der Erteilung von Unterricht verhindert war, konnte zu unserem grossen Bedauern auch im Berichtsjahre seine amtliche Thätigkeit nicht wieder auf- nehmen und reichte im Dezember 1896 sein Entlassungsgesuch ein Er tritt am 1. April d. J. in den Ruhestand, nachdem seine Pensionierung von den städtischen Behörden in entgegen- kommender Weise geregelt worden ist. Indem wir dem scheidenden Amtsgenossen für die unserer Schule geleisteten guten Dienste danken, sprechen wir zugleich die Hoffnung aus, dass die Befreiung von Amtsgeschäften u Berufssorgen auf seinen Gesundheitszustand günstig einwirken möge.— Die Vertretung des Hrn. Giesse übernahm bis zu den Sommerferien der wiss. Hilfelehrer H. Heyken; von August bis zu Ende des Schuljahrs erteilte Herr Dr. Henkel den sprachlichen Unterricht in Quarta und Tertia.— Herr Stadtpfarrer Harth, der seit. Oktober 1895 wöchentlich vier evangelische Religionsstunden erteilte, erkrankte zu Anfang September 1896 und starb am 15. d M. Am 18. gaben seine Schüler und das Lebrer- kollegium dem pflichttreuen Manne, der nur so kurze Zeit an unserer Schule thätig sein konnte, das Geleite zur letzten Ruhe.— Im Winterhalbjahr wurden die durch den Todesfall
frei gewordenen Religionsstunden von HH. Dr. Henkel und Oberlehrer Zins erteilt.
Am 8. Dezember 1896 entschlief Herr Professor Wilhelm Goepel im 81. Lebens- jahre. Geboren am 16. Mai des entscheidungsvollen Jahrs 1813 zu Iba im Kurfürstentum Hessen, erhielt er seine Gymnasialbildung in Eisenach und studierte darauf von 1833— 1836 Theologie in Jena. Nachdem er 1837 die Kandidatenprüfung bestanden hatte, nahm er für mehrere Jahre in Rodheim eine Stelle als Erzieher an. Im Oktober 1844 bot sich ihm die Gelegenheit, ein Privatknabeninstitut in Homburg zu übernehmen Er leitete es 21 Jahre lang, wurde vom Landgrafen Ferdinand zum Professor ernannt und, als am 16. Oktober 1865 eine städtische höhere Knabenschule in Homburg errichtet wurde, erbielt er die Leitung dieser Anstalt. Mit warmer Liebe für die Jugend und mit nie ermüdender Pflichttreue arbeitete er bis in sein 76. Lebensjahr. Am 30. Juni 1888 legte er sein Amt nieder und genoss die wohlverdiente Ruhe des Alters, bis im vergangenen Winter sein Leben zu Ende ging. Bei seinem Scheiden aus dem Amte wurde ihm der Kronenorden 3. Kl. verliehen, nachdem er 1878 den roten Adlerorden 4. Kl. erhalten hatte.— Am 9. Dezember wurde für ihn eine Gedächtnisfeier in der Schule veranstaltet, bei welcher der Unterzeichnete einen UÜberblick über das Leben des Entschlafenen und seine Wirksamkeit für unsere Anstalt gab. Mitglieder des Kuratoriums und des Magistrats wohnten der Feier bei Am 11. Dezember geleiteten ausser Lehrern und Schülern viele Freunde und frühere Zöglinge den Verewigten zu Grabe. Ein Bild W. Göpels ist in der Schule zu bleibender Erinnerung an den ersten Direktor auf- gehängt worden.
Der bisherige wissenschaftliche Hilfslehrer Herr Rudolph wurde auf Antrag des Kuratoriums durch Bestallungsurkunde des Königlichen Previnzial-Schulkollegiums vom 23. April 1896 zum Oberlehrer ernannt.
3. Fortentwickelung der Realschule; Revisionen. Zu Ostern 1896 erlosch mit dem Austreten der als reif entlassenen Sekundaner das Realprogymnasium. Die aus Sekunda der Realschule aufrückenden Schüler bildeten mit Beginn des Berichtsjahres die Prima der zu Ostern 1891 ins Leben gerufenen Anstalt. Am 2. und 3. Juni hielt Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer eine vorläufige Inspektion der Realschule ab und traf am 3. November abermals hier ein, um am 4., 5. und 6. eine eingehende Revision vorzunehmen.


