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ung übernahm. Er hat sie zunächst acht und ein halbes Jahr, Anfangs mit glücklichem Erfolg und eigner Befriedigung, dann unter wachsenden Schwierigkeiten und Wider- wärtigkeiten, deren Ursachen nicht hinlänglich aufgeklärt sind, geführt, so dass er im Frühjahr 1533 gern einem Rufe nach Heidelberg zur Uebernahme der Professur der griechischen Litteratur folgte. Ueber die Schicksale der Frankfurter Schule nach Micyllus' Abgang bis zu seiner Rückberufung im September 1537 ist nichts anders bekannt, als dass ein Mann von zweideutigem Rufe, Namens Moser, sich ihrer angenommen hatte; doch wird ausdrücklich bemerkt,„dass er nicht vom Rathe bestalt war und kein publi- cum stipendium hatte.“”“ Man darf as daher als eine zweite Begründung und Neu- belebung der Schule, deren Existenz bis dahin mehrfach bedroht gewesen war, betrachten, dass Micyllus durch das Uebergewicht der ihm befreundeten Männer im Rathe zu Frankfurt, des Justinian von Holtzbhausen, Johann Fichard, Johann von Glauburg u. A. im Herbste 1537 zum zweiten Male und unter günstigern Bedingungen an ihre Spitze berufen wurde. In seine zweite zehnjährige Wirksamkeit in Frankfurt(1537— 1547) gehört die mit Melanchthon berathene und von Micyllus selbst abgefasste neue Schul- ordnung, welche auf vier Classen und einen eben so umsichtig angelegten, wie zweck- mässig fortschreitenden Unterricht berechnet, und die Grundlage geblieben ist, von welcher aus sich durch alle folgenden Zeiten bis auf den heutigen Tag der Lehrplan unsers Gymnasiums entwickelt hat; in der Mitte dieser Periode(1542) ist die Schule definitiv— vorübergehend war es schon 1529 geschehen— nach eiuem umfassenden Umbau in die Räume des ehemaligen Barfüsserklosters verlegt, in welchen sie fast 300 Jahre, bis zum Neubau der Börse im Jahre 1839, ihren Sitz gehabt hat. In jeder Beziehung muss daher Micyllus, nachdem Nesen einen zwar rühmlichen, doch noch keineswegs gesicherten Anfang des Werkes gemacht hatte, als der wahre Begründer unsers Gymnasiums betrachtet werden. Welche Veränderungen nach seinem zweiten Uebergang nach Heidelberg(1547), wo er den 28. Januar 1558 in hohem Ansehen gestorben ist, in der Leitung und dem Lehrerpersonal desselben eingetreten sind, gehört nicht in den Kreis der gegenwärtigen Betrachtung.
Bei weitem die wichtigste Zugabe, welche ich zu der Geschichte unsrer Schule und ihrer ersten Vorsteher, von welchen das Obige die gedrängte Uebersicht enthält, mitzutheilen in den Stand gesetzt bin, sind die drei eigenhändigen Verschreibungen, durch welche Nesen und Micyllus sich zum Dienste des Rathes dieser Stadt verpflich- teten. Herr Archivar Dr. Kloss hat sie vor wenig Monaten unter Akten, die sich auf ältere Stipendien bezogen, aufgefunden und die Güte gehabt, sie mir zu meiner grossen Freude zur Benutzung mitzutheilen. Alle drei Urkunden sind auf Pergament klar und schön, die von Micyllus mit besonders fester und deutlicher Hand geschrieben,


