hVRIõIHI III
Er hob ſie für das Volk, an dem mit Liebe Was ihm AÄgypten war, ward ihm zur Heimat, Er hing wie Moſe, und er ward ſein Lehrer, Zur vielgeliebten, und der hohe Geiſt,
Begleitet wohl von edler Jünger Schar, Der einen Nathan mild der Welt geſchenkt,
Und Gottgeſegnet führt er ſeine Vrüder—Ein Bild des Freunds; er ruht an ſeinem Herzen
Vom Kampfe aus, den er im Freiheitskriege
In das gelobte Land der Menſchheit ein, Der Menſchheit führte: beide ein Symbol
Das keine Trennung, nur die Liebe kennt.
Gleichwie das heil'ge Erbteil jener Tafeln, Deer hohen Zeiten, die vereint ſie ſchufen;
Die Moſe einſt nicht nur den Brüdern ſchenkte, Denn neben Deutſchlands ſtolzer Eiche hebt Nein, einer Welt, ſo gab er uns die Werke, Die Palme ſich.— Und wie die Freunde einſt, Die Sternen gleich in dunkler Nacht erſtrahlen So ringen wir vereint den Zielen nach,
Und nie vergehn:„Die Morgenſtunden“ rufen Die ſie geſteckt, und werden ſie erreichen.
Zu edlem Tagwerk edle Kämpfer auf, Die Zeit des Genius kommt nach dem Tode, Der hohe„Phädon“ weiſt auf Himmels Glanz, Der, was an ihm noch ſterblich war, entführt, Und welterlöſend lehrt„Jeruſalem“ Und weithin Segen ſpendend eilt ihr Geiſt Duldung zugleich und echte Frömmigkeit. Oin durch der Menſchheit frohe Morgenſtunden.
Dem Prolog folgte ein Mendelsſohnſches Geſangsquartett, dieſem die Feſtrede, welcher ſich wiederum ein Quartett anſchloß. Es waren Damen und Herren, ehemalige Schülerinnen und Schüler unſerer Schule, welche unter Mitwirkung einiger ihnen befreundeter Sänger und Sängerinnen und unter der treff⸗ lichen Leitung eines ehemaligen Schülers unſerer Schule, des Herrn Muſiklehrers Wilhelm Mayer, durch den Vortrag der Quartette in dankenswerter Weiſe der Stunde eine erhöhte Weihe gaben. Ein Choral beſchloß die Feier.
Die Feſtrede wird hier auf den Wunſch des Schulrats mitgeteilt; ſie ſoll unſern Schülern und Schülerinnen, ſowie denen, welche durch ihre Mitwirkung und ihr Erſcheinen bei der Feier unſere Schule geehrt haben, ein Erinnerungsblatt ſein.
Liebe Schüler und Schülerinnen! Hochgeehrte Anweſende!
Heute vor hundert Jahren las man in dem Frankfurter Journal folgende, einer Berliner Zeitung entnommene Nachricht:„Berlin, 5. Januar 1786. Geſtern früh ſtarb hier im 57. Lebensjahr plötzlich an einem Schlagfluß Herr Moſes Mendelsſohn, aus Deſſau gebürtig; eine Nachricht, die außer dem, der ſie nieder⸗ ſchrieb, gewiß noch manchem Auge Thränen auspreſſen wird. Für die Welt ſowohl, als für ſeine Freunde bleibt ſein Verluſt unerſetzlich. In welchem künftigen Jahrhundert wird ein ſolcher Geiſt in der Hülle eines ſterblichen Körpers wieder zur Reife kommen? Er hat die Hülle nun abgeſtreift; die Scheidewand iſt geſunken, die ihn nur kurze Zeit von ſeinem verewigten Freunde trennte; ſein verklärter Geiſt iſt nun wieder bei ſeinem Leſſing, dem er noch kurz vorher in ſeinen„Morgenſtunden“ ein ſo rührendes Denk⸗ mal der Freundſchaft geſtiftet hat. Man ſage dann: Leſſing ſtarb, da er Nathan den Weiſen vollendet, die Nacht des Aberglaubens verſcheucht und die Gottheit in ihrem reinſten und erhabenſten Lichte den Sterblichen geſchildert hatte, und ſein Freund ſtarb, nachdem er ſeine letzten Gedanken dem erhabenſten Gegenſtande des menſchlichen Denkens, dem Beweiſe von dem Daſein dieſer Gottheit gewidmet hatte, in deren näheren Anſchauen nun beide glücklich ſind.“


