Das Geburtsfest Seiner Majestät des Kaisers muſsten wir am Vorabend, am 26. Januar feiern, da der groſse Saal des Saalbaues, der uns als Aula dient, uns am 27. Januar nicht zur Verfügung stand. Herr Oberlehrer Dr. Fischer hielt die Festrede über„die Bedeutung der Leibesübungen und der Jugendspiele“.
Die Gedenktage Kaiser Wilhelms I. und Kaiser Friedrichs wurden in gewohnter Weise begangen. 1 Die schriftliche Reifeprüfung der Oster-Oberprima fiel in die Tage vom 30. Januar bis 4. Februar; die mündliche Prüfung fand unter dem Vorsitze des Herrn Oberlehrers Dr. Baier am 10. Marz statt. 28 Schüler haben sich derselben unterzogen, von denen 26 das Zeugnis der Reife erhielten. Die schriftliche Abschlufsprüfung der Oster-Unter- sekunda wurde vom 6. bis 10. Februar, die mündliche unter dem Vorsitze des Herrn Oberlehrers Dr. Baier am 13. März abgehalten.
4. Krankheiten, Todesfälle.
Der Gesundheitszustand war in dem ablaufenden Schuljahr bei Lehrern und Schülern im ganzen recht befriedigend. Herr Oberlehrer Dr. Wulff muſste im Sommerhalbjahr zur völligen Wiederherstellung seiner Gesundheit einen mehrwöchigen Urlaub antreten und während des übrigen Teiles dieses Semesters sich Schonung auferlegen; dadurch, daſs Herr Dr. Liermann einen Teil seiner Unterrichtsstunden übernahm, konnte ihm eine Erleich- terung verschafft werden(S. I, 2. A S. 33). Herr Professor Gillhausen, der während des Sommers seine volle Berufstätigkeit mit erfreulichster Frische hatte ausüben können, muſste im Beginn des Winterhalbjahrs einige Wochen wegen Erkrankung dem Unterrichte fernbleiben und während des Restes des Semesters in seiner Arbeit erleichtert werden, was wiederum durch das Eintreten des Herrn Dr. Liermann ermoöglicht wurde(S. I, 2. B. S. 34). Aufserdem war nur noch Herr Professor Dr. Schütz zeitweilig durch längere Erkran- kung behindert.
Einen herben, schwer zu verwindenden Verlust hat unsere Anstalt durch den Tod des Lehrers der Naturgeschichte, unseres lieben, allverehrten Herrn Professor Dr. Friedrich Karl Noll erlitten, der eine Zierde unseres Gymnasiums und der wissenschaft- lichen Kreise unserer Stadt war. Nach kurzer Krankheit starb er am 14. Januar 1893, im 61. Jahre seines reichgesegneten Lebens. Da eine Beerdigung hier nicht statt fand, so wurde für das Gymnasium am nachsten Schultage vor Beginn des Unterrichts eine Trauer- feier zu seinem Gedächtnisse in unserem Versammlungsraume, dem groſsen Saale des Saal- baues abgehalten. Der Direktor hielt dabei die Ansprache, ſin der er dem allgemeinen Gefühle des Schmerzes Ausdruck zu geben suchte. Denn selten ist ein Lehrer so von seinen Schülern geliebt worden, wie dieser. Von der ersten Stunde an, die der angehende Sextaner bei ihm hatte, wurde er erfüllt von Liebe zu dem Gegenstande des Unterrichts und von Neigung zu der Persônlichkeit des Unterrichtenden. Wenn wir nach dem Grunde dieser Erscheinung suchen, so lag er einmal in dem harmonischen, abgeklärten Charakter des Mannes, in dem sich hoher Ernst mit einer unversieglichen Liebenswürdigkeit und Heiterkeit verband; dann aber auch in der Art, wie er seinen Unterricht auffaſste und be- handelte. Ijhm war die Natur nicht tot, noch auch bloſs ein Gegenstand des Erkennens und Wissens; er lebte in den Dingen, die er beobachtete, erforschte und lehrte, er versenkte sich


