Die letzten Jahre. 167
iſt indes im letzten Schuljahr nicht weitergeführt worden, da nunmehr die Stadt⸗ verwaltung der kaufmänniſchen Sachbildung ihre Sürſorge zugewendet und eine ſtädtiſche Handelslehranſtalt begruͤndet hat.
Ein Jahrhundert iſt ſeit der Errichtung der Schule verfloſſen; mannigfaltiger und wechſelreicher als in jeder anderen Unterrichtsanſtalt hat ſich ihr Leben bei den eigenartigen Verhältniſſen, unter denen ſie entſtand und ſich entwickelte, geſtaltet— aber unverrüchkt hat ſie durch alle Wandlungen und Veränderungen das Ziel, das ihre Begründer ihr geſteckt haben, verfolgt,„für Aufklärung und Humanität zu wirken, die Jugend zu geiſtig erleuchteten und ſittlich veredelten Männern und Srauen zu erziehen, die die Sähigkeit und den Crieb in ſich fühlen, dazu mitzuwirken, daß die Summe des Guten auf Erden ſich mehre und die Leiden und Übel des irdiſchen Lebens ſich mindern.“ Möge es der Anſtalt vergönnt ſein, im zweiten Jahrhundert dieſe hehre Aufgabe immer erfolgreicher zu erfüllen!
Anmerkungen zum erſten Abſchnitt.
Su Seite 4. Über die jüdiſche Sreiſchule in Berlin vgl. Cudwig Geiger„Geſchichte der Juden in Berlin“ I, 84 ff. und II, 136 ff. 245 ff., wo wertvolle Materialien über die jüdiſchen Schulen zuſammengeſtellt ſind. Über die wilhelmsſchule in Breslau vgl. Max Sreudenthal „Die erſten Emanzipationsbeſtrebungen der Juden in Breslau“, in Brann und Kaufmann, Monatsſchrift für Geſchichte und wiſſenſchaft des Judentums, 38 ter Jahrgang 1893, Seite 194 ff.— Über die Samſonſchule Ehrenberg„Geſchichte der Samſonſchule“. Über Deſſau „Geſchichte der Kerzoglichen Sranzſchule in Deſſau 1799—1849“. Deſſau 1894.
Zu Seite 4. Schon um 1691 klagt der Verfaſſer des Erbauungsbuches„Kab-hajaschar“, Rabbi Hirſch Koidanower aus Srankfurt a. M.(geſt. 1712), im Kapitel 82:„Wenn der Knabe groß geworden, ſorgt der Vater nicht dafür, daß er das Beth-Hamidrasch beſuche, ſondern er bekümmert ſich darum, daß er in die Schule gehe, in welcher man Sranzöſiſch und andere Sprachen lernt. Das Sranzöſiſche und andere Sprachen ſind jetzt die Hauptgegenſtände des Unterrichts, der Unterricht in der Thora iſt nur Nebenſache“.(M. Güdemann, AQuellen⸗ ſchriften zur Geſchichte des Unterrichts und der Erziehung bei den deutſchen Juden. Berlin 1891, Seite 180.)
Zu Seite 4. Auf die Mendelsſohnſche Pentateuchüberſetzung gingen gleich 1783 750 Beſtellungen von Juden ein.— Der Berliner. Oberlandrabbiner Rabbi Hirſch Levin ſprach ſchon 1778 von der Unbekanntſchaft der deutſchen Juden mit der deutſchen Sprache als einem Unſtern.(Sunz„Gottesdienſtliche Vorträge“, 1832, Seite 451). Sein Sohn Rabbi Saul er⸗ klärte, es ſei eine Schande für Iſrael, daß ſeine Schullehrer weder Hebräiſch noch Deutſch verſtünden. Zunz a. a. O.
Zu Seite 5. In einem im Jahre 1796 von Rabbi Pinchas Horowitz an den Senat gerichteten Geſuch, ihn von einer Eidesleiſtung zu entbinden, findet ſich unter anderem als Grund angegeben:„daß er nur hebräiſch ſpreche und verſtehe, höchſtens ein wenig von der jüdiſch⸗polniſchen Sprache“. Raphael Kirchheim(geb. 1803, geſt. 5. September 1889), Regiſter des Gemeindearchivs S. 87, handſchriftlich in dem Archiv der hieſigen iſraelitiſchen Gemeinde. Vgl. übrigens über R. P. Horowitz Dr. II. Korovitz„Srankfurter Rabbinen“ Heft IV, Seite 24


