Aufsatz 
Die Aeneis, die vierte Ecloge und die Pharsalia im Mittelalter
Entstehung
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ja widrig erscheinen. Wir können es einem Heyne nicht verübeln, wenn er die Mönche, von denen jenecommenta ausgingen, so scharf wie möglich angreift, während er die Manto des Politianus hohen Lobes würdigt. Für uns liegt die Sache anders; für uns ist die Manto, bei aller Gewandtheit in Vers und Ausdruck, ein kaltes, unächtes Erzeugniss, eine Studie aus zweiter Hand. Dagegen erkennen wir an, dass jene Mönche bei alle dem auf dem Boden einer grossen Gesammtheit standen. Und es gehört zum Wesen des Mittelalters, dass diese Gesammtheit, kirchlich oder volks- thümlich, den subjectiven Gestaltungstrieb mächtiger in sich trug, als selbst die begab- testen einzelnen Geister. Solche Verschiebungen des geschichtlichen Verhaltes, wie bei Vergil, können vor unserer heutigen Kritik, die zur äussersten Sauberkeit und Schärfe gediehen ist, allerdings nicht autkommen. Gleichwohl ist zu bedenken, dass trotz aller wissenschaftlichen Vorsorge die Auffassung der Geschichte, die Würdigung

älterer Zeiten immer wieder unter die Perspective der Gegenwart gerathen wird.

Zu S. 10 Z. 7. Auch Saxo Grammaticus lasst seinen gewaltigen Dänenkönig Frode III., den er zum Zeiigenossen des Augustus und zum Gebieter über 220 Fürsten macht, nach langer Kriegführung eine Friedens-

periode begründen, waͤhrend welcher der Erlôser zur Welt kam.

Zu Note 173. Wenn auch Dichtern wie Rumelant Cato zunächst als Meister der Spruchweisheit gegen- wartig war, so darf wohl angenommen werden, duss in die Gesammtvorstellung, die der Name Cato erregte, auch die Erinnerung an die geschichilichen Träger desselben, den âlteren wie den jüngeren, überging. Knüpfen sich die Distichen an den Censor, so stand doch der Gegner Caâsars der historischen Tradition näher. Bei Rumelant 12, Z. 4(Hagen III, 55) steht Cato als Weiser neben Virgilius, Boéthius und Seneca.

zu S. 31 K. 7. Noch eine unscheinbare Nebenfigur der Pharsalia ist von Dante zu typischer Bedeutung erhoben worden: jener Schiffer Amyclas, der, von kriegerischen Zurüstungen umgeben, im Bewusst- sein der Armuth ruhig in seiner Hütte schlaft:O vitae tuta facultas pauperis.... o munera nondum intellecta Deüm!ee(Phars. 5, 527.) Thomas von Aquino erklärt im Paradies(XI, 64 sqq.): die Armuth sei von Christi Zeiten bis zum heil. Franz von Assissi ohne Brautigam geblieben, obwohl schon Amyclas ihre Segnungen

empfunden habe.