Aufsatz 
Die Behandlung der deutschen Grammatik an den höheren Lehranstalten
Entstehung
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alles das sie unter seiner Leitung finden lassen. 3) Das Hauptgewicht sollte auf die Peroohens und gehörte Sprache gelegt werden, nicht auf die geschriebene und die gesehene. 4) Das Hochdeutsch, als Ziel des Unterrichts, sollte nicht als etwas für sich gelehrt werden, wie ein anderes Latein, sondern im engsten Anschluss an die in der Klasse vorfindliche Volkssprache.

Während er nun aber viele anregende Beispiele, unzählige fruchtbare Gedanken und Ratschläge giebt, fehlt es an einer positiv ausgesprochenen Ansicht über die spezielle Behandlang der einzelnen Partieen der deutschen Grammatik. Ja er redet sogar an einer Stelle einem gelegentlichen Anknüpfen grammatischer Betrachtungen an die Lektüre das Wort, ohne zu befürchten, dass aus solchem Stückwerke kein Ganzes werdeu möchte. Doch spricht er anderer- seits wieder. 17) davon, dass auch der zusammenhängende Vortrag des Lehrers nutzbringend sein könne. Es lag aber, wie aus mehreren Stellen seines Werkes hervorgeht, gar nicht in seiner Absicht, eine strenge Norm für das Verfahren des Lehrers zu geben; nur die leitenden und grundlegenden Gesichtspunkte wollte er in anschaulicher Weise zur Geltung bringen. Denn dass von einem nur gelegentlichen Anknüpfen der grammatischen Dinge, z. B. an die Unter- haltung der Schüler während der Pausen auf dem Schulhofe, wo sie ja allerdings oft genug sprechen, wie der Vogel singt, nicht die Rede sein kann, leuchtet ein, sobald man nur die praktische Durchführung eines solchen Verfahrens sich vorstellt. Auch hat Hildebrand offenbar dabei mehr an die Volksschule, als an die höheren Anstalten gedacht; denn bei jener ist es um so eher möglich, als der Unterricht bei ihr mehr oder weniger in einer Hand liegt. Ubrigens erklärt der Verfasser der Schrift selbst mehrfach, dass er am liebsten fortfahren möchte, immer noch weitere Beispiele für die Richtigkeit seiner methodischen Forderungen zu geben, als genaue Vorschriften aufaustellen.

4 Denselben praktischen Standpunkt nimmt Huckert) ein, indem er eine systematische Ubung durch Beispiele verlangt. Die Deklinations-, Konjugations- und Pronominalformen sollen auf diesem Wege den Schülern zum klaren Bewusstsein gebracht werden. Er zeigt, wie man an guten Beispielen, wie:Er erinnerte sich meiner und:Er erinnerte sich meiner Mutter die verschiedenen Pronominalformen am erspriesslichsten einüben könne. Uberhaupt legt er grossen Wert auf die Ausbildung und Steigerung des Unterscheidungsver- mögens der Schüler, was wir völlig billigen.

Nach dem Gesagten kann deshalb die Frage, ob die deutsche Grammatik ein Unter- richtsgegenstand auf den höheren Lehranstalten sein solle oder nicht, als endgültig erledigt betrachtet werden. ²) Es handelt sich vielmehr nur um die Aufstellung und Durchführung einer bestimmten Methode. Heisst es doch in der bezüglichen Stelle der neuen Lehrpläne für die höheren Schulen vom 31. März 1882 wörtlich also:Die weit verbreitete Ansicht, dass deutsche Formenlehre und Syntax nicht ein Gegenstand des Unterrichts an höheren Schulen, sondern nur gelegentlich aus Anlass der Lektüre zu berühren sei, ist veranlasst durch falsche Methoden, welche einerseits die Muttersprache so behandelten, wie eine erst zu erlernende fremde Sprache, andrerseits den Unterricht darin zu einer Beispielsammlung der Logik zu machen suchten. Im weiteren wird darauf hingewiesen, dass es darauf ankomme, zu ver- hüten, dass der Gebildete in Fällen des zweifelhaften und schwankenden Ausdrucks dem Zweifel oder dem subjectiven Belieben preisgegeben sei.

Wenn wir nun im folgenden Teile unserer Arbeit unsere eigene Methode, wie sich dieselbe allmählich praktisch herausgebildet hat, zur Darstellung zu bringen suchen, so sind wir frei von der Anmassung, behaupten zu wollen, dieselbe sei in jeder Beziehung unangreifbar; auch wissen wir recht wohl, dass wir Jahre lang, allerdings unbewusst, denn wir haben uns den Weg selbst gebahnt, in einzelnen Dingen nach Grundsätzen verfahren haben, die

von hervorragenden Männern bereits angedeutet und empfohlen waren. ¹) Zum Unterricht in der deutschen Grammatik auf den unteren Klassen der Gymn. n. Realgymn.

im Gymnasium 1884. N. 16. ¹) Vgl. darüber Armin Schäfer, Progr. des Gymnasiums zu Birkenfeld. 1880.