Friedrich Hebbel,
ein Vorkämpfer für das neuere deutsche Drama. (Nach einem Vortrage)
von Prof. Dr. Wilh. Bauder.
Nachdem die Dichterheroen Schiller und Goethe zur ewigen Ruhe eingegangen waren, trat, wie dies nicht anders zu erwarten war, auf dem Gebiete des dramatischen Schaffens in Deutschland eine Zeit der Ruhe und der inneren Sammlung ein. Nach Werken. wie„Wallenstein“ und„Faustr, die eine mächtige Flut von Gestalten und Ideen in die Herzen und Geister einströmen liessen, konnte nur ein Unvernünftiger alsbald Gleich- artiges oder gar Grösseres erwarten. Schiller und Goethe hatten das klassische Drama be- gründet, dessen Nachblüten wir in den Werken eines Grillparzer, eines Heyse und anderer gewahren. Nachblüten in dem Sinne, dass auch die Genannten in allem die Schön- heit, das künstlerische Mass und die kunstvolle Ausgestaltung der Charaktere sich zum Ziele setzten. Es folgten dann die Romantiker, wie Ludwig Tieck, die dem Humor und der Satire zu ihrem Rechte verhalfen, wie z. B. im„Gestiefelten Kater“ des Letzgenannten. In ihren Reihen ragt allerdings hoch hervor der Dichter des„Prinzen von Homburgr. der unglückliche Heinrich von Kleist, in dem ganz entschieden ein grosser Drama- tiker steckte. Leider war es ihm, bei seinem ganzen Wesen und infolge einer ganzen Kette
ungünstiger Verhältnisse, nicht vergönnt, zur Ausreifung zu gelangen.
Die Vertreter des sogenannten„Jungen Deutschland“ aber, besonders Gutz- kow und Laube, kamen einerseits über Stücke historischen Gehaltes, wie„Graf ESSex- und„Zopf und Schwerte, andrerseits über Tendenzstücke, wie„Böse Zungenr und „Uriel Akostar nicht hinaus. Daneben suchte Roderich Benedix durch seine da- mals hochbeliebten Situations- und Verwandlungs-Lustspiele. wie„Der Vetterr.„Die zürtlichen Verwandten“ u. a. m. Seine deutschen Mitbürger zu erheitern. Im Grunde genommen, haben wir es hier mit einer Fortsetzung der Komödien eines Iffland und Kotzebue zu tun. Der Rührstücke einer Charlotte Birchpfeiffer sei nur kur⸗ Erwähnung getan. Unerwähnt darf freilich nicht bleiben, dass wir in den Dramen O. Lu d- wigs, wie im„Erbförstern und den„Makkabäern“v, bedeutsame Ansätze eines krüäf-
tigen Realismus gewahren.


