Beobachtungen über den homerischen Sprachgebrauch.
Zweiter Theil: Das Participium in den homerischen Gedichten.
Der Gang unsrer bisherigen Betrachtung des homerischen Sprachgebrauchs, welche die Abweichungen von der streng geschlossenen Periode in der Parenthese, der Parataxis und der mechanischen Anreihung des Nachsatzes ins Auge fasste ¹), hat uns bis an die Schwelle der regelrechten Periode geführt, deren reiche For- menentwicklung, wie wir S. 20 bemerkten, einer zugleich gründlichen und übersichtlichen Darstellung noch immer bedürftig ist. Aber ehe wir uns dieser umfassenden Aufgabe zu- wenden, von welcher auch manches willkommne Licht auf die Syntax der spätern grie- chischen Sprache fällt, haben wir uns einen speziellen Gegenstand zur Untersuchung vor- gesetzt, welcher tief in die Bildung der Periode eingreift, ohne doch ihr eigentliches Wesen zu berühren, das Participium. Niemand wird schon bei der Nennung des Wortes die grosse Bedeutung dieser merkwürdigen Erscheinung in der Sprache, zumal der griechi- schen, verkennen; aber es wird doch nicht überflüssig sein, bei der Betrachtung ihrer all- gemeinen Bedeutung einige Augenblicke zu verweilen.
Es möchte in der ganzen Sprache wohl keine Entwicklungsform geben, die so glück- lich die Aufgabe löst, das Leben und die Bewegung des Gedankens in stetem Fluss zu
¹) Es sei mir erlaubt, an dieser Stelle Herrn Director Piderit in Hanau für die theilnehmende Beach- tung, welche er in den N. Jabrhüchern für Philol. u. Päd. Bd. LXX. S. 69 ff. meinen Beobachtungen zugewandt hat, meinen Dank auszusprechen. Gern erkenne ich das Zutreffende mehrerer seiner Bemerkungen an; bei andern ist durch eine schärfere Fassung des Ausdrucks eine Verständigung leicht zu erreichen, wie das zum Theil zwischen uns mündlich geschehen ist; an einigen andern Stellen, wie I 165. 4 362. Z 57. muss ich die von mir vertretene Erklärung gegen seine abweichende Ansicht aufrecht erhalten. Noch benutze ich diese Gelegenheit, um einen Gedächtnissfehler zu berichtigen, auf welchen ein Freund mich aufmerk- sam gemacht hat: nicht Achilleus, sondern Agamemnon spricht die Worte 133, welche ich S. 25 in Erwägung ziehe. Der Irrthum hat zwar auf meine Erklärung der Stelle keinen Einfluss, wohl aber
auf mehrere der in der Erörterung gebrauchten Ausdrücke. 1*


