Aufsatz 
Richelieu und das französische Drama
Entstehung
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stürzen, so musste er die Dramen fertigstellen. Dies die Entstehungsgeschichte der ver- schiedenen Stücke. Desmarets selbst fühlte durchaus nicht den Beruf zum dramatischen Dichter in sich; er liebte die epische Poesie und arbeitete damals, als er Dramen schreiben sollte, an einem grösseren GedichtClovis, ou la France Chrétienne, worin er Frankreich und den Cardipnal ver- herrlichen wollte. So wenig Vorliebe hatte er für's Theater, dass er Stücke, die er bereits an- gefangen hatte, nach dem Tode des Cardinals unvollendet liegen liess. Wir müssen daher umsomehr seine Geschicklichkeit bewundern, wenn er trotz des Zwanges von aussen wenigstens ein Drama schrieb, welches nicht ganz zu verwerfen ist.C'est, urteilt Chapelaini) von ihm, un des esprits faciles de ce temps, et qui, sans grands fonds, fait une plus grande quantité de choses, et leur donne un meilleur jour. Son style de prose est pur, mais sans élévation; en vers il est abaissé et élevé, selon qu'il le désire; et, en Pun et l'autre genre, il est iné- puisable et rapide dans pexécution; aimant mieux y laisser des taches et des négligences que de mavoir pas bientõt fait. Son imagination est trop fertile et souvent tient la place du jugement. Im ganzen haben wir von Desmarets folgende Dramen: Aspasie, Comédie 1636; les Visionnaires, Comédie 1637; Erigone, Tragicomédie 1639; Scipion, Tragicomédie 1639; Roxane, Tragicomédie 1639; Mirame, Tragicomédie 1639; Europe, Comédie Héroique 1642 ²). von diesen mögen hier die Mirame, Europe und Visionnaires eine Besprechung finden, weil Richelieu an ihnen einen nicht geringen Anteil hatte; für die Mirame und Europe hatte er sogar 500 Verse geschrieben. In den Jahren 1641 und 1642 wurden die Stücke im Palais- Cardinal gespielt; besondere Deco kationen wurden für sie angefertigt.Mirame fut re- présentée avec des machines qui faisaient lever le soleil et la lune, et paraitre la mer, dans l'éloignement, chargée de raisseaux ³). Pellisson¹) äussert, sich darüber folgendermassen:II- témoigna des tendresses de père pour cette pièce, dont la représentation lui coüta deux ou trois cent mille écus, et pour laquelle il fit bätir cette grande salle de son palais, qui Sert, encore aujourd'hui à ces spectacles. Derselbe Autor sagt uns auch, 5) ein wie grosses Interesse Richelieu während der Aufführung bekundete.Tantôt le Cardinal se levait et se tirait à moitié du corps hors de sa loge pour se montrer à'assemblée, tantôt il imposait silence pour faire entendre des endroits encore plus beaux. Können wir uns unter diesen Umständen über den rauschenden Beifall des Publikums wundern! Wir wollen sehen, ob dieMirame) ihn wirklich verdiente. Der Schauplatz der Handlung ist der Garten des königlichen Palastes zu Heraclea in Bithynien, mit der Aussicht auf das Meer. Mirame, die Tochter des Königs von Bithynien, ist Azamor, dem König von Phrygien, bestimmt, worden, obgleich sie den tapferen Arimant, den Günstling des Königs von Colchis, liebt. Als dieser in einem Kriege, den er unternimmt, um Mirame mit Gewalt zu erhalten, gefangen wird und seinem Sklaven befiehlt,

¹) Histoire de l'Académie I, 272.

²) Eine Comödiele Menteur, welche Desmarets von Bornemann Franz. Studien IV, 1 zugeschrieben wird, existiert nicht. Der Irrtum B's rührt wohl von einer missverstandenen Stelle in Michaud's Biographie Universelle XXXV 519a her, wo Desmarets' Visionnaires mit Corneille's Menteur verglichen werden.

¹) Dussieux a. a. O. pag. 254.

) Histoire de l'Académie I, 82.

) ib. II, 190.

*) Der vollständige Titel lautet: Ouverture du Théätre de la Grande Salle du Palais-Cardinal. Mirame, Tragicomédie. Paris, che⸗z Henri le Gras, au Troisième Pilier de la Grande Salle du Palais. 1641. Fol.