Aufsatz 
Richelieu und das französische Drama
Entstehung
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einmal Aristée. Der Vater ist unglücklich über den Starrsinn des Sohnes und befragt das Orakel. Er erhält folgende unverständliche Antwort:

Ton fils t'obéira, c'est le vouloir des dieux. Qu'il perde l'usage des yeux;

Pour épouser après pour une loi secrète La vertueuse et la muette.

Par un excès d'amour on m'ôtera mon bien, Mais je ne perdrai rien.

Donc que de cet espoir ton àme se console, Je leur redonnerai la vue et la parole*¹¹).

Der Magier Amech bedeutet ihm, er könne nichts gegen die Liebe Philarque's thun, wohl aber ihn blenden und so die Wirkung des Reizes, der ihn zu töten drohe, vermindern. Gefahr sei nicht vorhanden, denn er besitze das Gegenmittel, ihm das Augenlicht wiederzu- geben. Der Vater geht darauf ein, er hofft, Philarque werde endlich den Makel, der an Aristée haftet, erkennen, oder von ihr wegen seiner Blindheit verachtet werden. Philarque erblindet, indem er den Namen Aristée in der Unterschrift eines Briefes, den der Vater ge- schrieben, küsst(!). Die Wirkung ist eine entgegengesetzte. Philarque betrachtet seine Blindheit als eine Strafe dafür, dass er Aristée für untreu gehalten. Er verzeiht seinem Vater und bittet die Götter, diesem und Aristée langes Leben zu schenken. Dadurch wird der Vater gerührt. Philarque soll Aristée erhalten und wieder sehend werden. Aber der Magier ist verreist, und so ist die Angst gross. Da erscheint Aristée. Sie ist aus dem Tempel entlassen worden, weil sie nicht die stumme Schwester ist, und will zu Philarque eilen, der, wie man ihr gemeldet habe, ihretwegen erblindet sei. Durch die Küsse, welche die Liebenden austauschen, und die Thränen, welche sie vergiessen, erhält Philarque das Augen- licht wieder. Das Orakel hat sich also erfüllt. Um die Göttin für Aristée zu entschädigen, wird Eliane Priesterin, und ebenso weiht sich Philiste, welcher der eigentlich Schuldige ist, der Göttin.

Im Hinblick auf diese beiden Dramen, dieComédie des Tuileries und denAveugle de Smyrne, bedauern wir es nicht allzusehr, dass das dritte,la Grande Pastorale verloren ist. Wir sahen obenꝛ²), dass es nicht einmal gedruckt wurde. Kurz nachher verabschiedete Richelieu die vier Dichter; es traf ein, was Corneille weise vorausgefühlt hatte. Richelieu erkannte wohl den Missgriff, den er gethan, wurde aber vor einem zweiten, wenn auch kleineren, nicht bewahrt. Anstatt mehrerer schaffte er sich einen Leibpoeten an, der seine Gedanken ausarbeiten und seine Lust an neuen Dramen befriedigen sollte. Der erste Kanzler der jungen Akademie, Desmarets ³), war es, der durch einige gelungene Verse die Aufmerk- samkeit Richelieus erregt hatte. Er erhielt die Aufforderung, seinem Gönner verschiedene Stoffe für Dramen vorzulegen. Richelieu prüfte sie und äusserte, er kenne keinen Dichter ausser Des- marets, welcher diese Skizzen auszuarbeiten fähig wäre. Wollte sich Desmarets nicht in Ungnade

1) IV, 1.

2) pag. 9.

²) Jean Desmarets de Saint-Sorlin wurde in Paris 1595 geboren und starb 1676. Er war Contrôleur Général de l'Extraordinaire des Guerres und Secrétaire Général de la marine de Levant. 3