7— doch ist nur durch eingehende Kenntnissnahme gerade von diesen Dingen ein voll- ständiges und zuverlässiges Bild der betreffenden Landesindustrien und Handelsbeziehungen zu gewinnen. Ich wende mich nunmehr zur Darstellung des etruskischen Handels nach dem Norden selbst.
ExTrwickLlNG DES ETRUSKISCHEN LANDHANDEILS NACH DEM NoRDEN.
Von etruskischem Seehandel, der mit Seeräuberei verbunden, Jahrhunderte lang die italischen Küsten beherrschte und noch nach der Befestigung der griechischen Herrschaft in Sicilien und Unteritalien, ja bis in die Zeiten der rhodischen Seeherrschaft hinein fortdauerte, wissen wir durch ausdrückliche Zeugnisse der Alten; vgl. Aristides orat. Rhod. p. 342 A., de conc. ad Rh. p. 399 D. ed. Canter., Diodor XI 88., Strabo VI. p. 257 A. In sehr früher Zeit hatten etruskische Städte Handelsverträge mit Carthago (Aristoteles Polit. III. 5) und mit Sybaris(Athen. XII. p. 519 B.) Ueber den Landhandel nach dem Norden liegen keine solche Zeugnisse vor. Denn nur eine allgemeine Schilderung der Macht, welche die Etrusker in frühester Zeit zu Wasser und zu Lande besassen, enthalten die Worte des Livius I 2, 5: ⸗tanta opibus Etruria erat(zur Zeit der trojanischen Ein- wanderung), ut iam non terras solum sed mare etiam per totam Italiae longitudinem ab Alpibus ad fretum Siculum fama nominis sui implesset», eine Schilderung, der farbenreicher und vollständiger eine andere Stelle zur Seite tritt V 33, 4. Tuscorum ante Romanum imperium late terra marique opes patuere. Mari supero inferoque, quibus Italia insulae modo cingitur, quantum potuerint, nomina sunt argumento: quod alterum Tuscum com- muni vocabulo gentis, alterum Adriaticum mare ab Hadria Tuscorum colonia vocavere Italicae gentes. Graeci eadem Tyrrhenum atque Aqdriaticum vocant. li in utrumque mare vergentes incoluere urbibus duodenis terras: prius cis Apenninum ad inferum mare, postea trans Apenninum totidem, quot capita originis erant, coloniis missis: quae trans Padum omnia loca, excepto Venetorum angulo, qui sinum circumcolunt maris, usque ad Alpes tenuere. Alpinis quoque ea gentibus haud dubie origo est, maxime Raetis: quos loca ipsa efferarunt, ne quid ex antiquo praeter sonum linguae nec eum ineorruptum retinerent.) Wohl zeigen diese Worte, dass etruskischer Einfluss einst die West- und Ostküste Italiens und selbst das Binnenland von den Alpen bis zur sicilischen Meerenge beherrscht hatte, und dass man zu den Spuren des Vordringens der Etrusker in die Alpenländer selbst, auch die nahe Verwandschaft der rhätischen Sprache rechnete, aber von einem nordwärts betriebenen Landhandel findet sich Nichts. Für denjenigen, der in der Alterthumskunde nur das anzuerkennen vermag, was ihm durch ein ausdrück- liches Citat der Alten bewiesen werden kann, wäre somit die Sache eine hoffnungslose, weil unbeweisbare. Für die Wissenschaft ist sie es nicht. Sie ist es um so weniger als auch für den durch Tausende von Fundstücken bestätigten Binnenhandel aus Etrurien


