Aufsatz 
Vergiliana / scr. A. Ammann
Entstehung
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gesprochen. Professor Lüdecking, der auch in weiteren Kreisen als ausgezeichneter Ver- treter und Förderer der modernen Sprachbildung bekannt ist und für das Gedeihen dersel- ben insbesondere durch seine sehr geschätzten und in zahlreichen Auflagen erschienenen fran- zösischen und englischen Lesebücher gewirkt hat, war im Jahre 1857 von dem hiesigen Realgymnasium an unsere Anstalt versetzt worden, an welcher seine Lehrhätigkeit vorzugs- weise den neueren Sprachen, welche er in seltenem Grade beherrschte, gewidmet war Da er mit diesen Kenntnissen auf dem Hauptgebiete seiner Wirksamkeit eine gediegene classische Bildung und eine vorzügliche Lehrgabe verband und sein Unterricht durch eine geistvolle, anregende Methodik befruchtet wurde, so konnten die Erfolge seiner Lehrthätig- keit nur die erfreulichsten sein. In der letzten Zeit wurde diese durch körperliches Leiden gehemmt und durch dringenden ärztlichen Rath sah sich Professor Lüdecking zu dem schmerzlichen Entschlusse genöthigt, auf eine ihm lieb gewordene Berufsthätig- keit zu verzichten und um Versetzung in den Ruhestand zu bitten. Von dem Lehrer- collegium wurde das Ausscheiden eines so tüchtigen Mitarbeiters, der auch wegen der Biederkeit und Offenheit seines Charakters sowie wegen seiner echt collegialischen Ge- sinnung von seinen Amtsgenossen stets hochgeschätzt worden war, aufrichtig bedauert und dieses schmerzliche Gefühl nur dadurch gemildert, dass der nicht mehr durch die Gemeinsamkeit des Berufslebens mit uns verbundene Freund in unserer Stadt seinen Wohnsitz beibehalten hat und unserer Anstalt stets eine aufrichtige und wohlwollende Gesinnung bewahren wird. Möge ihm ein heiterer Lebensabend zu Theil werden und möge die ihm gewährte ehrenvolle Musse seine reiche geistige Begabung, wenn sie auch nicht mehr unmittelbar für die Schule erspriesslich werden kann, noch viele Jahre hindurch der Wissenschaft zum Frommen gereichen lassen!

9) Am 29. Juli besuchte im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen etc. An- gelegenheiten der erste Civillehrer an der Central-Turnlehrerbildungsanstalt zu Berlin Herr Dr. Euler unsere Anstalt, wohnte den Uebungen auf dem Turnplatze bei und theilte am folgenden Tage in einer Conferenz, welcher ausser dem Turnlehrer Effel- berger auch Herr Director Ebenau, Professor Kirschbaum und der Unterzeichnete beiwohnten, über die Methode und Einrichtung der gymnastischen Uebungen sehr dankens- werthe Bemerkungen und Rathschläge mit, wobei er zugleich den Zustand des Turn- wesens an den beiden hiesigen Gymnasien mit Rücksicht darauf, dass die Winterübungen bei dem bedauernswerthen Mangel einer eigenen Turnhalle nur sehr unvollständig betrieben werden könnten, als eine befriedigende bezeichnete.

10) Der Schluss des Sommersemesters erfolgte im verflossenen Schuljahre mit Ge- nehmigung des Königl. Provinzial-Schulcollegiums vierzehn Tage früher als seither und es dauerten mithin die vierwöchigen Herbstferien vom 1. bis zum 28. September. Die Herbstprüfung und die öffentliche Schlussfeierlichkeit wurden am 30. und 31. August abgehalten. Bei letzterer sprach der Oberprimaner Otto Vogler»de Epaminondae rebus gestis et virtutibus«, der Oberprimaner Karl Wissmann»über Schicksal und