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In dem freundlich auf dem rechten Ufer der Werra gelegenen thüringiſchen Städtchen Hildburg⸗ hauſen, das damals ungefähr 3,500 Einwohner zählte,*) aber Haupt⸗ und Reſidenzſtadt des gleichnamigen Herzogthums war(1684— 1827), wurde am 26. April 1804 Carl Kühner geboren. Seine Familie ſtand zu dem herzoglichen Hofe in mehrfacher Beziehung; denn ſeine Großmutter„Frau Räthin“ Nonne**) „eine ſtrenge reſolute und durch und durch kluge Frau“, früh verwittwet, erwarb ſich als„Kinder⸗ frau“ der Prinzen und Prinzeſſinnen des herzoglichen Hauſes die knappen Mittel zur Erziehung ihrer eignen drei unmündigen Kinder; ihr Schwiegerſohn aber: Heinrich Kühner wurde herzoglicher Hof⸗ diakonus und leitete die weitere Erziehung der drei Prinzeſſinnen: Thereſe(ſpäter Königin von Baiern), Charlotte(ſpäter Prinzeſſin Paul von Württemberg) und Louiſe(ſpäter Herzogin Wilhelm von Naſſau). Heinrich Kühner, ein geiſtreicher, ernſtſtrebender, aber auch heiterer Mann, war bei Hofe hochangeſehen, von ſeinen hohen Schülerinnen ſehr verehrt, wovon namentlich die dauernde Anhänglichkeit der Königin von Baiern zeugt, welche nicht nur das Grab des geliebten Lehrers zu Eishauſen mit einem Denk⸗ mal ſchmückte, ſondern noch in viel ſpäterer Zeit auch dem Sohne ihr Wohlwollen bewies. Auch die Mutter Henriette(geb. Nonne) wird als hochgebildete Frau gerühmt. 1812 aber verließ Heinrich Kühner Hildburghauſen, um nach dem nahen Pfarrkirchdorfe Eishauſen als Pfarrer und Hofprediger überzuſiedeln, welches Amt er bis zu ſeinem Tode am 9. Februar 1827 bekleidete. Eishauſen iſt nur 1 ¼ Stunde von Hildburghauſen entfernt, an der Landſtraße nach Coburg, ganz anſehnlich***) mit einem herzoglichen Domänengute. Das Dorf liegt freundlich an der Rodach, einem Zufluſſe des Main, im Rodachgrunde, von Aeckern, Wieſen und Wäldern umgeben. Hier entwickelte ſich in dem „Pfarr⸗Carl“, der des Verkehrs mit Geſchwiſtern entbehren mußte, jene friſche und ſinnige Natur⸗ liebe, die uns noch an dem Greiſe ſo wohlgethan hat. Oft ſah man ihn mit einem taubſtummen Knaben, welcher ſich auf Fang und Abrichtung der Vögel verſtand, durch Feld und Wald ſtreifen. Auch Hunde und Pferde des benachbarten Pächters zogen ihn an. Der Liebe zu den Vögeln iſt er bis zu ſeinem Tode treu geblieben, eine wohlgepflegte Grasmücke und Lerche haben ihn überlebt, und man konnte wohl den alten Herren auf ſeinem hieſigen ländlichen Ruheſitze im Garten ſitzen ſehen, wo zutrauliche Vögelchen dicht vor ſeinen Füßen hingeſtreutes Futter aufpickten. Der Liebe zu
*) S. G. Brückner, Landeskunde des Herzogthums Meiningen. Meiningen 1851. **) Vgl. Dorfzeitung 1854. Nr. 154. Carl Ludwig Nonne. Ein Blatt zum Gedächtniß von Dr. C. Kühner. ***) Es hatte 1852 505 Einwohner. S. Brückner.


