Tegnéer als Pädagog.
Wenn den Leſern eines Schulprogrammes das Lebensbild und die pädagogiſchen Anſichten eines wackeren Schulmannes vor Augen treten, ſo wird ſie dieſe Erſcheinung gewiß nicht befremden. Kommt ja ein Schulprogramm von der Schule, ſollte es nicht auch die Schule zum nächſten Gegenſtande ſeiner Betrach⸗ tung machen, und ſollte der Nutzen, welcher etwa aus demſelben entſprießen könnte, der Schule ſelbſt nicht wieder zu Gute kommen? Die Beſahung dieſer Fragen werden Alle natürlich finden, denen die Schule und die Bildung des heranreifenden Geſchlechtes in derſelben am Herzen liegt, insbeſondere die Eltern, die Be⸗ hörden, die Lehrer und die Schüler ſelbſt. Ihnen allen frommt es, ſich von Zeit zu Zeit im Spiegel zu beſchauen und ihr eigenes Bild mit einem andern, vollkommneren, zu vergleichen, damit ſie auf die Mängel und Flecken aufmerkſam werden, welche ihnen ankleben und welche ſie ſofort zu entfernen im Stande ſind. „Verba movent, exempla trahunt“ iſt ein altes Wort, deſſen Wahrheit unterworfen zu ſein, Niemand ſich zu ſchämen braucht. Wenn aber als ein ſolches Muſter und Beiſpiel nicht ein vaterländiſches uns vorge⸗ zeichnet, ſondern eines aus dem fernen Norden, aus Schweden, hergeholt wird, ſo möchte Mancher den Kopf ſchütteln ob dieſer ſonderbaren Wahl. Der Verfaſſer iſt weit entfernt, der verwerflichen Anſicht zu huldigen, daß das, was weither komme, ebendeßwegen für vorzüglich zu halten und dem Vaterländiſchen vorzuziehen ſei, aber könnte es für das lehrende und lernende Publikum ohne Eindruck bleiben, wenn es die in unſerm Vaterland ſchon oft angefochtenen, aber immer wieder beibehaltenen Grundſätze der Erziehung auch in einem weit entfernten Lande walten ſieht? wenn es erfährt, daß man dort wie bei uns um dieſelben Güter ſtreitet, vor denſelben Fehlern warnt? Gewiß kann uns Nichts mehr von der Richtigkeit und Allgewalt der bei uns geltenden padagogiſchen Grundſätze überzeugen, als wenn wir die Anſichten anderer Völker mit den unſrigen im Einklange finden.
Wenn nun aber dieſe Anſichten von einem Manne vor unſern Augen entwickelt werden, der ſich durch
ſeine Dichtungen und ſeine hohe Begeiſterung für alles Wahre, Gute und Edle einen ruhmvollen Namen auch in unſerm Vaterlande erworben, ſo werden wir gewiß geneigt ſein, über eine ſo wichtige Angelegen⸗ 3 1


