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zu bewerkſtelligen, die aber ſchon benachrichtigt und geflohen waren. Dieſe übereilte That erregte die ganze Stadt. Das Parlament und in ihm die Freiheit war bedroht, die City waffnete ſich, gerüſtete Schaaren zogen vom Lande herbei und der König hielt es für gerathen, ſeine Hauptſtadt wenige Tage darauf zu verlaſſen, die er nur als unglücklicher Gefangener und Verurtheilter wieder ſehen ſollte.
Der Bürgerkrieg brach nun offen aus. Beide Theile warben Truppen, und es kam zum Kampf. Die Königlichen waren Anfangs glücklich, denn in ihren Reihen fochten die jungen gewandten Edelleute mit ihrem geübten, an Disciplin gewöhnten Gefolge gegen raſch ausgehobene, oft unkriegeriſche Milizen. Als aber das Parlament auf Cromwells Rath ſein Heer umbildete, als die Independenten ſich einreihten, jene furchtloſen Schwärmer, die für Gott gegen den Antichriſt zu fechten glaubten, und Cromwell's Geiſt die Leitung über⸗ nahm, da änderte ſich raſch die Lage. Die Schlachten von Marſtonmoor 1644 und Naſeby 1645 entſchieden gegen Karl, der ſich im folgenden Frühjahr dem Schottiſchen Heer, das zur Unterſtützung der Parlaments⸗ truppen die Grenze überſchritten hatte, ergab. Er hätte um keinen Preis ſeinen engliſchen Unterthanen in die Hände fallen mögen, und hoffte noch, die Schotten für ſich zu gewinnen. Umſonſt, dieſe verkauften ihn für die Summe von viermalhunderttauſend Pfund Sterling an das engliſche Parlament. Dieſes hatte unter⸗ deſſen ſeinen Charakter geändert. Wie die Royaliſten früher von den Puritanern, ſo waren dieſe nun von den Independenten überflügelt und der Macht beraubt. Eine Vergleichung dieſer puritaniſchen, oder, wie wir ſie nun genauer nennen müſſen, presbyterianiſchen Partei mit den Girondiſten der großen franzöſiſchen Revolution liegt ſehr nahe. Beide Parteien begannen die Bewegung, wurden aber von ihr überwältigt, als ſie nach Gutdünken Einhalt thun wollten. Wie die Girondiſten, verſuchten auch die Presbyterianer eine Ausgleichung mit dem König, dem Schloß Hamptoncourt zum Aufenthalt angewieſen war. Aber dieſer knüpfte heimliche Verbindungen mit den Schotten und Irländern an und entwich auf die Inſel Wight. Das beſiegelte ſein Schickſal. Eine Militärrevolution fand in London ſtatt, alle presbyterianiſchen Mitglie⸗ der des Parlaments wurden ausgeſtoßen und vor der nun nur noch aus fünfzig bis ſechzig Independenten beſtehenden Verſammlung, dem ſogenannten Rumpfparlament, verlangte im December 1648 der Rath der Officiere, daß Karl Stuart in Anklagezuſtand verſetzt würde. Cromwell, der bisher den letzten Wider⸗ ſtand in Schottland gebändigt hatte, war nun in London zurück und ſtand an der Spitze der Independenten. Ein Gerichtshof wurde eingeſetzt und Karl zum Tode verurtheilt. Am 30. Januar 1649 fiel im Angeſicht einer unzähligen Menge vor dem alten Palaſte Whitehall das Haupt des unglücklichen Monarchen!—
Wie ſich Milton in dem Wogen dieſer aufgeregten Zeit verhielt, kann nach ſeiner Vergangenheit nicht zweifelhaft ſein. Doch war ſein Streben zu rein und uneigennützig, zu ideal, um mit allen Vorgängen zu⸗ frieden zu ſein, wie er denn auch in mehreren Schriften dem Parlament Vorſtellungen machte und ebenſo gut gegen den geiſtigen Druck proteſtirte, welchen die Presbyterianer auszuüben verſuchten, als er gegen Lauds Maßregeln ſich erhoben hatte.*) In einer 1644 erſchienenen Schrift„Areopagitica“ wandte er ſich an das Parlament, das durch ſtrenge Cenſurvorſchriften die Freiheit der Preſſe vernichtet hatte, um jede ihm feind⸗ liche Stimme zu unterdrücken. Milton forderte in ſeiner Schrift, die als ein Meiſterſtück ihrer Gattung gilt, die vollkommenſte Freiheit für das geſchriebene Wort, die er als das edelſte Gut der Menſchheit, als die Grundlage jedes geordneten Gemeinweſens erklärte. In ſeinen begeiſterten Worten liegt eine hinreißende Kraft und Beredtſamkeit, und die Engländer danken ihm noch heute den Genuß dieſer für ein aufſtrebendes Volk unſchätzbaren Gabe, deren früheſter und edelſter Vertheidiger er war.
*) Vergl. Sonnet XII:
That howl for freedom in their senseless mood
And still revolt, when truth would set them free.
License they mean when they cry Liberty
For who loves that, must first be wise and good. Faſt komiſch wird es freilich, wenn Chateaubriand, ein be⸗ geiſterter Verehrer des Dichters, dem er eine eigne Abhandlung gewidmet hat und den er auch in ſeinen übrigen Werken,
beſonders in dem Génie du Christianisme oft erwähnt, in einem Gedicht„Milton et Davenant“ ſagt: Millton, le grand Milton,(pleurons sur les humains) Prodiguait son génie à de sots puritains, Il détestait surtout, dans son indépendance
Le part malheureux, qu'une noble constance Attachait à son roi.


