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Zwecken treten: als er aber erſt den Thron beſtiegen, erſchien er wie umgewandelt, und entfaltete einen ſol⸗ chen Reichthum von Regententugenden, daß er ſich den Namen eines„Vaters des Vaterlandes“ verdiente. Nachdem Papſt Alexander VI. in der Hoffnung auf Begünſtigung ſeiner Kinder, in der er ſich auch nicht getäuſcht, den Eheprozeß des neuen Königs mit ſeiner bisherigen ihm gewiſſermaßen aufgenöthigten Gemahlin, der Tochter Ludwigs XI., zu deſſen Gunſten entſchieden, reichte ihm die Wittwe des verſtorbenen Königs Karls VIII. Anna von Bretagne, Tochter des Herzogs Franz II. und nach dem Tode ihrer Schweſter und ihres Vaters Erbin dieſes reichen Landes, ihre Hand(1499). Sie waren ſich ſchon in ihrer Jugend gewogen, aber durch unüberwindliche Hinderniſſe fern von einander gehalten worden. Außer der reichen Mitgift der Bretagne, welche ohne dieſe Heirath der Krone Frankreich wäre verloren gegangen, hatte Anna dem Könige ein vortreffliches mit Tugenden herrlich geſchmücktes Herz zugebracht, und dieſer beiderſeitige Tugendſinn verband die Gatten ſo innig, daß die Geſchichtſchreiber nicht warm genug die Zärt⸗ lichkeit, die Liebe und Treue zu ſchildern wiſſen, mit welcher dieſelben bis an ihr Lebensende in jeglichem Wechſel des Schickſals unabläſſig miteinander verbunden blieben. Daß letzteres auch ſie nicht verſchonte, war die Folge der großen Kriegsluſt zweier ſich abſtoßenden Charaktere: Ludwig Xll. wollte die Beſitzungen und den Einfluß ſeines Landes in Italien feſthalten und mehren, der Papſt Julius II. aber, ein geſchworner Feind der Franzoſen, hatte ſich's zum Ziele ſeines Lebens geſteckt, dieſe aus der italieniſchen Halbinſel zu vertreiben. Der Widerſtreit beider Gewalthaber fand, nachdem viel Blut gefloſſen, ſeinen Gipfelpunkt in dem Banne, welchen der heilige Vater gegen den„allerchriſtlichſten König“ ſchleuderte, und in der Uebertra⸗ gung dieſes Ehrentitels an den König von England. Daß ſolche Ereigniſſe nicht ohne Kummer zurückzu⸗ laſſen an der gläubigen Königin vorübergehen konnten, bedarf für den Kenner des weiblichen Herzens keiner beſondern Beſtätigung. Wol aber erzählen die Geſchichtſchreiber, wie die Leidenſchaft des Königs gegen ſei⸗ nen geiſtlichen Feind ihn zu noch entſchiednerem Vorgehen fortgetrieben haben würde, wenn nicht die zarte Zuſprache ſeiner frommen Gemahlin dieſelbe beſänftigt. ¹)
Was des Königs religiöſe Geſinnung angeht, ſo trug ſie einen reformatoriſchen Charakter, indem ſie ſtets mehr auf das Innere als auf das Aeußere, mehr auf die That, als auf das Wort gerichtet war. Hö⸗ ren wir, wie ſein Zeitgenoſſe und Biograph) ihn in dieſer Beziehung auffaßt:„Er iſt fromm und katho⸗ liſch, ohne Heuchelei, ohne Verſtellung; denn er iſt auf ſeiner Hut, Gott zu beleidigen und er dankt ihm bei jeder Gelegenheit mehr in der That, als mit Worten; auch dünkt es ihm, als ſei es Gott viel angeneh⸗ mer, wenn man ihm einen guten ungetheilten Willen zeigt, ohne alle äußere Kundgebung, als wenn man ihm eine lange Rede und großartige körperliche Verbeugungen vormacht.“ Weiter wiſſen wir von ihm, daß er wenig Klöſter gründete, aber mehrere verfallene Kirchen wieder aufbauen ließ. Beſonderes Augenmerk richtete er auf die Reformation der Klöſter und er hatte das Glück zu ſehen, wie eine große Anzahl derſel⸗ ben ehemals durch ihre Unſittlichkeit bekannt, nun ſich durch ihr heiliges Leben auszeichnete. Ludwig war es auch, der gegen den Willen des Papſtes des Conzil von Piſa berief und mit merkwürdiger Aus⸗ dauer zuſammenhielt, auf welchem eine Reformatton an Haupt und Gliedern, nach der ein allgemeiner Sehnſuchtsruf durch die Chriſtenwelt ging, vorgenommen werden ſollte.
Das waren die Eltern, denen Renata ihr Daſein verdankte. Sie war nach ihrer Schweſter Claudia (geb. 1499) das zweite Kind. Ob ſie deßhalb Renata(die Wiedergeborne) zubenannt worden, um da⸗ durch die Wiederkehr des glücklichen Ereigniſſes, das lange auf ſich hatte warten laſſen, zu begrüßen, dafür
1) Seyssel. 2) Bernier. p. 419. 3) p. 454


