Aenuta
von Eſte,
Herzogin von Ferrara.
Es wird den Freunden der Reformation gewiß nicht befremdend erſcheinen, in dem Schulprogramme eines proteſtantiſchen Gymnaſiums einen Abſchnitt der Reformationsgeſchichte zu finden, wie ſich derſelbe in dem Leben einer hochgeſtellten Frau abſpiegelt. Die Betrachtung dieſes Lebensbildes gewinnt dadurch ihre beſondere Bedeutung, daß die Heldin in jenen merkwürdigen Zeiten gelebt, in welchen die Reformatoren ſelbſt den Samen des Evangeliums ausgeſtreut, und daß ſie von einem hervorragenden Haupte derſelben perſoͤnlich in ſeiner Lehre unterrichtet zu werden das Glück hatte. Weiter bildete ſie den Mittelpunkt der evangeliſchen Beſtrebungen in einem Lande, auf welches alle Chriſtenheit von jeher mit beſonderm Intereſſe hingeſchaut, auf welches man damals das Ziel der kühnſten reformatoriſchen Hoffnungen gelenkt, auf wel⸗ ches auch heute wieder aufs Neue die Erwartungen der Anhänger der Reformation gerichtet ſind. Wie doch in der Geſchichte der Menſchheit manche Zeiten, obſchon ſie eine Reihe von Jahrhunderten aus einan⸗ der liegen, ſo ähnlich ſind!— Man mag über die jetzigen politiſchen Verhältniſſe der italieniſchen Halb⸗ inſel urtheilen, wie man will, ſo viel iſt gewiß, daß in Folge derſelben der Geiſt religiöſer Duldſamkeit in ihr ſich eine bleibende Stätte errungen. Dank dieſem Geiſte der Duldung haben die Waldenſer aus ihren Thälern, in welche ſie der Verfolgung weichend geflüchtet, ſich wieder herausgewagt und im Norden und Süden der Halbinſel Miſſionsſtationen errichtet, von denen als die bedeutendſten und blühendſten die zu Turin, Genua und Livorno daſtehen, alſo daß außer den Thalbewohnern ſich etwa 1500— 2000 Jtalie⸗ ner zu ihnen halten mögen. Dank jenem Geiſte der Duldung hat ſich zu Neapel unter der Leitung eines frühern Jeſuiten, Namens Perez, eine evangeliſche Gemeinde von eiwa 200 Gliedern und eine Knaben⸗ ſchule gebildet, und leitet dort der Marcheſe Creſi— Vaſtavini einen eignen Gottesdienſt ihn eine Mäd⸗


