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c) Nachricht über die von der Anstalt abgegangenen Schüler.
Am Schlusse des vorigen Schuljahrs legten folgende Primaner die M aturitätsprüfung ab:
1) Christian Suppes aus IIopfmannsfeld, 2) Emil Bernhard aus Gedern. 3) Hermann Freymunn aus Wenings.
Das mündliche Examen wurde unter dem Vorsitze des Grossherzoglichen Commissärs, Herrn Oberstudienraths Prof. Dr. Wagner, am 16. April 1867 vorgenommen. Der genannte Herr erwies der Anstalt die Ehre, auch der öffentlichen Prüfung der Gymnasialclassen, welche an dem vorhergehenden Tage stattfand, beizuwohnen.
Was die Wahl der Studien der oben erwähnten Abiturienten anbelangt, so haben sich Suppes und Bernhard für das Studium der evangelischen Theologie, Freymann aber für das der Rechtswissenschaft entschieden. Jedem derselben wurde in seinem Matu- ritätszeugniss der Auszeichnungsgrad Nr. II zuerkannt.
Im Herbst 1867 traten nach bestandener Maturitätsprüfung auf die Universität über: 1) Karl Bichmann anus Friedberg, um sich der Rechtsgelehrtheit zu ergeben, 2) Karl Mickel aus Gedern,„„„ 3) Karl Lommel aus Homburg vor der Ilöhe, zu betreiben.
Einer von diesen Abiturienten erlangte den zweiten Auszeichnungsgrad, die beiden andern erhielten in ihrem Zeugniss die Note III.
„„ um das Studium der Architektur
Die Ober-Prima hat 1 Zögling verlassen, um ein anderes Gymnasium zu besuchen.
Der aus Ober-Secunda abgegangene Schüler hat sich, glaubhaftem Vernehmen nach, für die Fremdenlegion der französischen Armee anwerben lassen.
Aus Unter-Secunda schied 1 Zögling, um sich der kaufmännischen Laufbahn zu widmen.
Der auf Anrathen der Lehrer aus Quinta- ausgetretene Schüler ist in Privatunterricht übergegangen.
4. Chronik der Anstalt.
Beim Beginne des nunmehr zu Ende gehenden Schuljahrs wurde durch hohe Verfügung Grossherzoglicher Oberstudien-Direction vom 2. Mai 1867 der Gymnasialaccessist Herr Dr. Ri- chard Haupt aus Büdingen als Praktikant zur Erstehung scines Probejahrs bei dem hiesigen Gymnasium zugelassen; doch schied derselbe schon nach wenigen Wochen aus der ihm hier angewie- senen Stellung, da ihm durch Rescript Grossherzoglicher Oberstudien-Direction vom 28. Juni 1867 gestattet wurde, seinen Access an der Grossherzoglichen Realschule zu Alzey fortzusetzen und zu- gleich Aushilfe an dieser Anstalt zu leisten. Nachdem der Genannte ungefähr 5 Monate an der besagten Realschule gewirkt hatte, traf es sich, dass der Posten eines provisorischen Hilfslehrers am hiesigen Gymnasinm in Erledigung kam. Im Laufe des Monats November nämlich gewann der bisherige Inhaber der letztgedachten Stelle, Herr Dr. Ludwig Textor, einen anderen Wir- kungskreis, indem er als Lehrer der deutschen Sprache, der Geschichte und Geographie an die evangelische Realschule in Wien berufen und am 14. November seiner Functionen an dem hiesigen Gymnasium entbunden wurde. Mit der Versehung des vacant gewordenen Postens betraute Gross- herzogliche Oberstudien-Direction durch hohes Decret vom 14. November 1807 den Gymnasial- accessisten Dr. Richard Ilaupt, worauf dieser am 26. November von Alzey hierher zurück- kehrte und am folgenden Tage seine Functionen antrat. Ueber seinen Lebeusjauf berichtet uns Herr Dr. Haupt Folgendes:.
Dr. Richard Haupt ist geboren am 6. October 1846 zu Büdingen, wo sein Vater damals Gymnasiallehrer war. Er besuchte bis zum Frühjahr 1856 die Stadtschulen, dann trat er in die letzte Klasse des Gymnasiums ein und genoss dessen Unterricht unter der Direction Thudichums und seines Vaters bis zum Herbste 1863. Nach Beste- hung der Maturitätsprüfung bezog er zuerst die Hochschule zu Bern, um sich dem Studium der Theologie und Philologie zu widmen, welchem er dann von Ostern 1864 bis dahin 1867 auf der Universität Giessen oblag. Hier vollendete er seine Studien unter der Leitung der Professoren Lange und Lübbert, denen er in jeder Hinsicht das Meiste verdankt, und unterzog sich im März 1867 der philologischen Facultätsprüfung. Mit Beginn des Sommer- semesters trat er dann den vorgeschriebenen Access am Gymnasium zu Büdingen an und setzte ihn, von Grossher- zoglicher Oberstudien-Direction zum Hilfslehrer in Alzey ernannt, an der dortigen Realschule vom 1. Juli an fort.
Im November desselben Jahres ward er indess an die hiesige Anstalt zurückversetzt und provisorisch zum Lehrer für die erledigte Hilfslehrerstelle ernannt.
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