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Lage ihrer Schwestern arbeiten müssten. Auch Mäanner, z. B. Defoe sprachen aus, dass es ein grosser Schaden für die Menschheit sei, wenn man die Frauen in Unwissenheit leben lasse; aber die grosse Mehrheit der Männer hielt den höheren Unterricht der Frauen noch für eine Entweihung der Wissenschaft.
Im 19. Jh. nahm die Zahl der Männer, die für höhere Bildung der Frauen sprachen und schrieben, zu. Sidney Smith fragte im Jahre 1810, warum eine Frau von 40 Jahren unwissender sein solle als ein Knabe von 10. R. L. Edgeworth und seine Tochter verlangten dringend besseren Unterricht für die weibliche Jjugend. Ihre Stimmen verhallten wirkungslos. Erst nach der Thronbesteigung der Königin Viktoria wurde es besser. Die Königin und ihr Gemahl, beide von grossem Interesse für Kunst und Wissen- schaft beseelt, gewannen bald einen grossen Einfluss auf das Leben der Frauen. Miss Murray, eine der Ehrendamen der Königin, sammelte Geld für die Gründung einer Schule. 1847 wurden von Ch. Kingsley u. a. Abendschulen errichtet. Im gleichen Jahre fand die Eröffnung des Queen's College statt. Hatte man bis dahin Gelehrsamkeit der Frauen für etwas Gefährliches gehalten, so sprach jetzt der erste Leiter des College die Meinung aus, das, was die Mädchen lernen würden, werde etwas Heilsames sein. 1848 brachte die Gründung von Bedford College für Frauen. Das Jahr 1869 führte einen Schritt weiter. Miss E. Davis, die schon lange die Ansicht verfochten hatte, dass die Besserung oben einsetzen müsse, errichtete ein Institut, in dem nach den Plänen von Cambridge studiert wurde. Ihre Gründung hat sich zum Girton College entwickelt. 6 Damen begannen damals das Studium. Den Sammlern für ein weiteres College wurden grosse Summen übergeben. 1873 konnte das College, dessen erste Vorsteherin Miss Davis war, bezogen werden. 1871 hatte Miss Claugh begonnen, in Liverpool, Sheffield und Manchester Vor- lesungskurse einzurichten für Mädchen von 18 Jahren und darüber, die sich dem Lehr- berufe widmen oder weiter studieren wollten. Diese Vorlesungen waren auch zugleich der Anfang der„University Extension Movement“. Bald darauf schuf man in Cambridge ein„Higher Local Examination for Women“. Dies war das erste Schulexamen für Frauen. Dann richtete Miss Clough in Cambridge ein Haus für Studentinnen ein. Hieraus hat sich das blühende College Newnham entwickelt. 1877 ordnete auch Oxford eine Prüfung für Frauen an, und 2 Jahre später erfolgte die Gründung von Halls für Damen(Lady Margaret Hall und Sommerville Hall). 1881 wurde in Cambridge den Mitgliedern der dortigen Damencolleges gestattet, sich für alle„Honours“ in allen Fakultäten prüfen zu lassen. C. hatte 150 Studentinnen. 1884 folgte Oxf. dem Beispiel der Schwesteruniversitaât. Die Oxf. Halls sind heute von 200 Studentinnen besucht. Die Damen hôren dieselben Vorlesungen wie die Herren, werden wie diese geprüft, und ihre Namen werden in denselben Listen veröffentlicht.
In London erfolgte 1886 die Eröffnung des Royal Holloway College, das heute einen Teil der dortigen Universität bildet. Auch diese hat den Damen alle ihre Uni- versitätsgrade zugänglich gemacht. Schottland hat neuerdings den Frauen seine Universitäten geöffnet. An der Universität zu Wales sind Männer und Frauen vollständig gleichgestellt. Letztere können dort jedes Amt erlangen, selbst das des Vice-Chancellor. Victoria Uni- versity und die Universität zu Durham sind gleichfalls den Frauen freigegeben worden. Die Bewegung ist seitdem über Englands Grenzen hinausgedrungen nach dem übrigen Europa, nach Amerika, Australien, Indien, Japan und Südafrika.


