Aufsatz 
Das Oxforder Summer Meeting von 1901 als Volksbildungsmittel und sein Wert für die deutschen Lehrer des Englischen / von J. Luley
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Begeisterung vorgetragenen Ansichten fanden an vielen Stellen ausserordentlichen Beifall. Die Ausführungen des genannten Herrn dürften von besonderem Interesse sein, da dieser eine einflussreiche Persönlichkeit auf dem Gebiete des Schulwesens ist. Sie scheinen mir noch besonders beachtenswert für den, der den englischen Volkscharakter studiert, wegen des lebhaften Beifalls, der gewissen Ausserungen von einem fast aus allen Teilen Englands zusammengekommenen Publikum zu teil wurde. Die Fassung der Uberschrift und einige Sätze des Vortrages lassen vielleicht den Schluss zu, dass England in Bildungsfragen, die das ganze Volk umspannen, noch jung und unsicher ist. Dann scheint es mir, als ob J. Ruskin keinen geringen Einfluss auf Mr. Sadler gehabt habe. 1

In der Einleitung führte der Vortragende die Ansichten verschiedener grosser Männer Englands(Bacon etc.) über die Mittel für die Förderung der Wohlfahrt des Volkes an und zeigte, wie sich allmählich neben das Verlangen nach„Seapower“ dasjenige nach „Schoolpower“ gestellt hat.„Man hat erkannt“, erklärte Mr. S.,„dass ein wirksames System nationaler Erziehung von grosser Bedeutung für das wirtschaftliche Gedeihen eines Volkes ist. Aber die Erziehung ist hier nicht der einzige Faktor. Die gewaltigen Fortschritte Deutschlands sind nicht nur dem deutschen Schulwesen zu verdanken, sondern auch zahlreichen anderen Umständen“. Ubrigens zollte der Redner unserem Schulwesen das höchste Lob, ebenso auch dem amerikanischen, das in der Jugend Kühnheit und geistigen Schwung erzeuge.

Der Redner führte dann andere wesentliche Faktoren für die Entwicklung von Handel und Industrie an(geographische Lage, natürliche Hilfsquellen u. s. w.) und erklärte, diese Vorteile könnten erhöht und in vernünftiger, vorausschauender Weise nutzbar gemacht werden durch Volksbildung. Er empfahl das Studium des Erziehungswesens fremder Völker(Bem. Die Engländer studieren mit grossem Eifer das Schulwesen Deutsch- lands und Amerikas.), warnte aber vor einer mechanischen Ubertragung fremder Ein- richtungen, da Lehrverfahren und Schulformen den Verhältnissen und Eigentümlichkeiten des Landes wohl angepasst werden müssten.„Da nun“, führte der Redner weiter aus, „die Verhältnisse in England sehr„complex“ sind, muss auch unser Schulwesen„complex“ sein,„partly imperial, partly national.“ Es muss sich den divergierenden Idealen anpassen, die England zu einem Lande mit verschiedenen Zielen, die nur lose unter einem System weitgehender Duldung zusammengefasst sind, gemacht haben. Die Schwierigkeiten werden dadurch nicht gehoben, dass man sich für ein Gemeinsames, genannt„nationale Erziehung“ entscheidet. Der Redner verbreitete sich über den Begriff„nationale Erziehung“ und führte dann etwa folgendes aus:

Es giebt keine bestimmte Formel für den Erfolg auf dem Gebiete nationaler Erziehung. Diese Formel ist verschieden je nach dem Werte, den man den verschiedenen Zielen in dem Leben der Nation des Individuums beimisst. In Erziehungsfragen wird aber nie eine völlige Uebereinstimmung erzielt werden, da in ethischen und sozialen Fragen immer Meinungsverschiedenheiten bestehen werden(Lebh. Beifall). Um nun doch zu einer Lösung der Frage zu kommen, wolle er das Trennende möglichst beiseite lassen und sich den Punkten zuwenden, in denen eine Einigung vorliege oder mõglich sei, betonte indessen, dass es Grundfragen gebe, in welchen eine Ubergabe nicht möglich sei. Mr. Sadler verbreitete sich dann über Ziel und Zweck des Schulwesens. Er führte etwa aus: