Die nachfolgenden Ausfuhrungen sind einerseits Teile eines Berichtes, den der Verfasser im vorigen Herbste nach einem durch das Wohlwollen der Grossherzoglichen Staatsregierung ermöglichten achtwöchigen Aufenthalte in Oxford und London erstattete, anderseits ausführlichere Darstellungen von Punkten, die in dem Berichte nur flüchtig angedeutet sind.
In Bezug auf England ist bekanntlich eine uns Lehrer der neueren Sprachen einigermassen befriedigende Lösung der Auslandsfrage nicht gefunden. Der von Herrn Prof. Dr. Sturmfels*) erwähnte„Verein deutscher Lehrer in England“ ist leider eingegangen, und mit ihm haben auch die für uns Neusprachler einst„wertvollen praktischen Seminar- übungen“ aufgehört. Einrichtungen, wie sie auf dem französischen Sprachgebiet in Paris, Grenoble, Nancy, Besançon, Genf und Lausanne für unsere Zwecke schon ein Jahrzehnt bestehen, gibt es im englischen Sprachgebiet nur in Edinburg seit 1897 und seit 1001 in Glasgow. Durch die mir leider erst beim Jahreswechsel zu Gesicht gekommene wert- volle Schrift“*) von Herrn Dr. Breul in Cambridge ist unsere Auslandsfrage in ein neues Stadium getreten. Die Vorschläge von Dr. Breul gehen auf eine Lösung derselben im grossen Stile aus, und wir sind Herrn Dr. Breul für seine gewiss aus reicher Erfahrung hervorgegangenen Ausführungen grossen Dank schuldig. Gleichwohl bin ich der Mei- nung, dass auch mit der Schaffung eines Reichsinstitutes in London im Sinne des ge- nannten Herrn die erwähnte Frage nicht für alle und nicht nach allen Seiten gelöst sein wird. Die Zahl derer, die in London jährlich untergebracht werden sollen(100 P.), ist im Vergleich zu den thatsächlichen Bedürfnissen zu gering. Auch vermag London man- ches nicht zu bieten, das auch die von Dr. Breul vorgeschlagenen Reisen nicht ermôg- lichen. Nun gibt es aber in England seit einer Reihe von Jahren eine Einrichtung, die zwar nicht eigens für uns geschaffen wurde, dennoch aber ausserordentlich viel Brauch- bares, ja mancherlei bietet, das sonst nirgends in England, auch nicht in Frankreich, zu haben ist. Ich meine die sog. Sommer-Meetings, die alljährlich abwechselnd in Oxford und Cambridge stattfinden. Nach meinen in der Heimat und in Oxford gemachten Er- fahrungen sind diese Meetings ihrem Wesen nach nur so wenig bekannt, dass es für den Neuling sehr schwer ist, einen wohl begründeten Rat für oder wider die Teilnahme an
*) Programm des Grossherzogl. Realgymnasiums etc., Giessen 1890. **) Betrachtungen und Vorschläge betr. die Gründung eines Rcichsinstituts für Lehrer des Englischen in London. Leipzig 1900.


