Aufsatz 
Apparate aus der Apparatensammlung für den chemischen Experimentalunterricht am Realgymnasium zu Giessen / von Erb
Entstehung
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Die Gründe, welche den phyſikaliſchen Unterricht für den Lehrer angenehmer geſtalten als den chemiſchen, ſind teilweiſe in den geſundheitsſchädlichen Einflüſſen, welche der letztere mit ſich bringt, teilweiſe auf anderem Gebiete zu ſuchen.

Der phyſikaliſche Unterricht ſchließt ein Hantieren mit Säuren und ätzenden Stoffen faſt völlig aus, ein Einatmen geſundheitsſchädlicher oder direkt giftiger Gaſe und Dämpfe gibt es dort überhaupt nicht. Wird letzteres auch mit Rückſicht auf die Schüler im Unterricht durch geeignete Vorrichtungen auf ein Mindeſtmaß zurückgedämmt, ſo läßt es ſich doch niemals gänzlich vermeiden, namentlich nicht für den experimentierenden Lehrer.

überdies iſt der Lehrer, dem kein Diener zur Verfügung ſteht, nach dem Unterricht gezwungen, die zeitraubende Spülung der in der Stunde verwendeten Gefäße ſelbſt vorzunehmen. Dabei erlebt der Genuß, der Naſe und Lunge in der Stunde bereitet wurde, eine zweite, nur konzentriertere Auflage.

Zu dieſen geſundheitsſchädlichen Folgen chemiſcher Tätigkeit aber geſellen ſich noch eine Menge anderer Unannehmlichkeiten, von denen an erſter Stelle das Fehlen einer Sammlung gebrauchsfertiger Apparate ſteht.

Man findet an keiner Anſtalt eine ähnlich organiſch aufgebaute Apparatenſammlung für den chemiſchen Unterricht, wie dies für den phyſikaliſchen der Fall iſt. Der Urſachen hierfür gibt es viele. Geld⸗ und Platzfrage, Stellung der Chemie im Lehrplan und andere ſpielen hier eine Rolle.

Vor allem iſt es der Aufbau chemiſcher Apparate ſelbſt, der einer Zuſammenſtellung derſelben zu einer Sammlung am hinderlichſten iſt. Abgeſehen von wenigen Apparaten phyſi⸗ kaliſcher Natur, die man fertig von dem Mechaniker bezieht, ſtellt ſich der Chemiker ſeine Apparate von Grund aus ſelbſt zuſammen. Holz⸗ und Eiſenſtative, Glasröhren und Glas⸗ gefäße mannigfacher Art, Klötze, Pfropfen und Schläuche liefern das Material dazu. Aber dieſe Apparate ſind nur Eintagsfliegen. Nach dem einmaligen Gebrauch iſt der Lehrer gezwungen, ſie wieder auseinanderzunehmen. Die Stative werden zu anderen Apparaten zuſammengeſtellt, die Glasgefäße auch, und ſo ſteht er immer vor dem Nichts und baut ſtets von neuem auf. Geſtattet es auch die Ausſtattung ſeines Inſtitutes, manches zuſammengeſtellt zu laſſen, ſo hat er es doch immer nur mit Trümmern von Apparaten und nicht mit ſolchen ſelbſt zu tun. Hierin liegt für den Lehrer der Chemie das Ermüdende, Entmutigende und Zeitraubende.

So wie die Apparate für den Unterricht zuſammengeſtellt waren, laſſen ſie ſich nach dem Gebrauche in Schränken auch nicht unterbringen. Dies würde einen unverhältnismäßig großen Aufwand an Platz und Geld bedeuten. Auch hätte das, wenn wirklich ausführbar, doch nur geringen Wert, da die Apparate bruchſtückweiſe transportiert und aufgeſtellt werden müſſen. Wirklich brauchbare Apparate müſſen ein einheitliches Ganzes bilden. Dies iſt aber nur dann möglich, wenn alle Halter, Stative und Unterlagen unter ſich eine gemeinſame Ver⸗ bindung haben und für einen und denſelben Verſuch verbunden bleiben. Dieſe Verbindung iſt