— 30—
3. Was die Kinder angeht, die aus einem derartigen Verhältnisse hervorgingen, so hatten die einzelnen Teile des Landes verschiedene Rechte. Im allgemeinen ist es recht schwierig, die Rechtsverhältnisse der Pätards zu bestimmen (Warnk. II p. 172, Glasson III p. 32). Auch in unserem Epos zeigt sich dies. Bernier wird zwar von den Rittern als ebenbürtig angesehen, doch empfindet er selbst seine Herkunft nicht als makellos. Er hält es für notwendig, Lutice vor ihrer Verlobung darauf aufmerksam zu machen, dass er„de bas lin“ ist. Allerdings hebt er, wie auch schon dem Raoul gegenüber,¹) hervor, dass seine Mutter von edlem Geschlechte sei. ²)
Die germanischen Gesetze behandeln die Bätards sehr schlecht(Grimm p. 474, Morillot p. 170). Diese gehören weder der Familie des Vaters noch der Mutter an(Glasson VII p. 98.) Wie sich aber schon zu der Zeit, da unser Epos entstand, der Einfluss des römischen Rechts geltend macht, sehen wir an Bernier. Dieser fühlt sich als Glied der väterlichen Familie. Auch erkennt Graf vbers in ihm seinen Sohn*). Marcent hofft sogar, dass Bernier Erbe seines Vaters wird, da dieser keine legitimen Kinder hat“). In der That erfüllt sich die Hoffnung der Marcent. Ybers setzt Bernier zum Erben ein, eine Handlung, die den heftigsten Wider- stand des Königs wachruft(s. I 4). Das Recht steht hier, wie schon angeführt, auf der Seite des Königs.
¹) Berniers escrie a sa voiz haute et clere:„Sire R., ci n'ai parent ne frere, Asez seit on qe Y. est mes pere, Et gentix feme refu assez ma mere.“ 1665.— ²) Dist B.:„Dame, n'estes mie senée. Ne sui pas fix de mollier espousée, Ains sui bastars, n'i a mestier celée, Mais gentils feme neporcant fu ma mere, Et gentils hom est quens V. mes pere.“ 5729.— ²) Il regarda trés parmi la valée, Et vit B. et sa gent adonbée. Bien le connut, s'a la colour muée. Dist a ces homes: „Franche gent honnorée. Je voi venir mon fill par cele prée.“ 1816.— 4)„L'onnor ton pere, por, quoi gueroieras? N'i a plus d'oirs, ja ne le perderas; Par ta proesce et par ton cens l'aras.“ 1376.


