Nachdem das hieſige academiſche Pädagog nach faſt dritthalbhundertjährigem Beſtehen vor einigen Jahren eine neue Organiſation erhalten und im vorigen Jahre das ihm bald nach ſeiner Errichtung angewieſene und bis dahin fortwährend verbliebene Gebäude verlaſſen hat, dürfte es an der Zeit ſein, auf die Geſchichte deſſelben einen Rückblick zu werfen. Es iſt jedoch bei unſerer Anſtalt eine ſolche Geſchichte mit eigenthümlichen Schwierigkeiten verbunden, indem dieſelbe ſeit ihrer Entſtehung mit der hieſigen Univerſität eng verbunden und von derſelben abhängig war, ein Verhältniß, welches erſt in unſerm Jahrhundert nach und nach loſer geworden iſt und erſt in der jüngſten Zeit gänzlich aufgehört hat. Eine vollſtändige und erſchöpfende Geſchichte des Pädagogs kann daher nur in Verbindung mit der der Univerſität geliefert werden. Auch fehlt es gänzlich an Urkunden, Acten und ſonſtigen ſchriftlichen Nachrichten, wie man ſie wohl in den Archiven anderer Anſtalten findet, indem dergleichen entweder gar nicht aufbewahrt und aufgezeichnet worden, oder im Laufe der Zeit verloren gegangen ſind. Doch iſt ſchon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts von einem ſehr verdienſtvollen Lehrer nnſerer Anſtalt, M. Ram bach¹) der Plan zu einer Geſchichte des Pädagogs entworfen und deſſen Ausführunng degonnen worden. Die hierauf bezüglichen Handſchriften Rambach's, ſowie die von ihm mit großem Fleiße von allen Seiten her geſammelten Notizen, Belege und Urkunden berfinden ſich theilweiſe noch in der Bibliothek unſerer Anſtalt. Dieſelben ſind benutzt worden in dem Programme: Hiſtoriſche Anzeige von der erſten Stiftung und Verlegung des Gießer academiſchen Pädagogs, auch denen vom Anfang bis daher daran geſtandenen Lehrern, von J. J. L. Borck. Gießen 1777. Nähere Nachrichten über Rambach, deſſen hinterlaſſene Papiere und einige intereſſante Mittheilungen aus denſelben enthält das Programm: Einige das Gießer academiſche Pädagog, beſonders deſſen Bibliothek und deren Gründer Jac. Theod. Franz Rambach betreffende Nachrichten und Bemerkungen, von J. V. Klein. Gießen 1829. Sonſt ſind dieſe Papiere meines Wiſſens nicht öffentlich benutzt und üherhaupt ſiber die Geſchichte des Pädagogs nichts veröffentlicht worden. Wenn ich es nun unternehme, im Folgenden einige Nachrichten, zunächſt über die frühere Geſchichte des Pädagogs und theilweiſe auch der Univerſität, zu geben, ſo bitte ich dieſelben nur als vorläufige Beiträge anzuſehen; zu einer vollſtändigen Geſchichte der Aaſtaſe gebricht es gegen⸗ wärtig an Raum und Zeit, ſowie auch an gehöriger Sammlung des Materials. Dieſe Nachrichten ſind vorzugsweiſe und groͤßtentheils aus den Rambach'ſchen Papieren entlehnt, doch dabei auch andere gedruckte und ungedruckte Bemerkungen und Mittheilungen zu Rathe gezogen und benutzt worden; namentlich verdanke ich der Güte des Herrn Geheimen Nathes Nebel manche ſchätzbare Nachweiſungen und Notizen. Uebrigens habe ich keine Nachricht auf⸗ genommen, deren Nichtigkeit ſich nicht urkundlich nachweiſen ließe, wenn auch die Nachweiſung der Quellen ſelbſt in den meiſten Fällen wegen mangelnden Raumes unterblieben iſt.
²) Auch mit andern hiſtoriſchen Forſchungen beſchäftigte ſich Nambach. So enthält das Gießer Wochenblatt von 1771 Stück 15 ff.
von ihm herrührende Nachrichten über die Burgkirche zu Gießen und eine Ueberſetzung von Dieterichs Beſchreibung der Stadt Gießen mit
„Anmerkungen, worin ſich viele intereſſante und werthvolle Notizen finden. *
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