Aufsatz 
Über den frühen Religionsunterricht / Philipp Christian Jakob Engel
Entstehung
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Uebungen nicht zu häufig und nicht zu beſtimmten Zeiten vorgenommen werden.

Der nach dieſen Grundſätzen und Regeln unterrichtete Knabe wird ge⸗ wiß fähig ſeyn, dem Religionsunterrichte in höheren Claſſen mit Nutzen beyzuwohnen. Möchten doch darum Lehrer und Erzieher ſich dieſem wich⸗ tigen Gegenſtand des Unterrichts mit Liebe, Treue und Wärme weihen, um ihre Schüler und Zöglinge, zu lebensfrohen, gemüthvollen, religiöſen Menſchen zu bilden, die auch auf den rauheren Pfaden, die ſich an die frohe, unbefangene Kindeswelt anſchließen, den Muth nicht verlieren, ſon⸗ dern durch religiöſen Glauben und freudige Hoffnung ſich erhoben fühlen! Soll es aber dem Lehrer gelingen, dieſen ſchönen und erhabnen Zweck durch ſeinen Unterricht zu erreichen; dann müſſen ihn zugleich die Eltern kräftig und nachdrücklich unterſtützen. Hoffnungsvoll blickt er in dieſer Hinſicht auf die edlen Bürgerinnen des Staates hin, denen zwar das Schickſal den öffentlichen Schauplatz geräuſchvoller Thätigkeit verſagte, aber die herrlichſte Beſtimmung zutheilte, durch ſanfte, liebevolle Entwickelung zarter Kinderſeelen, die erſten Gefühle für das wahrhaft Schöne und Große zu wecken. Von ihnen werde daher dem Lehrer der Boden bereitet, in den er den Saamen religiöſer Wahrheiten ſtreuen kann. Er wird gewiß, von liebenden Händen gewartet und gepflegt, herrlich aufblühen, und Früchte tragen, die zur Zufriedenheit der Eltern, zur Freude der Lehrer, zum Wohl der Schüler und zum Seegen der Menſchheit reifen.

Fol⸗