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von den Schülern auswendig gelernt werden können. Hierdurch wird der Geiſt des Selbſtdenkens geweckt, das Gedächtniß geübt, und die Kinder be⸗ kommen bey fortgeſetzter Uebunsg einen Vorrath von herrlichen und kraft
vollen Gedanken.
Zuletzt iſt noch zu erinnern, daß man bey allen Gegenſtänden der Re⸗ ligion, die nicht hiſtoriſch ſind, ſein„Hauptaugenmerk darauf richte, ſie den Kindern nicht vorzudemonſtriren, ſondern ihre Begriffe durch Fragen aus dem Innern derſelben herauszubilden. Denn Religion iſt nicht Sache des Gedächtniſſes, ſondern des Gemüthes; ihre Wahrheiten ſollen nicht blos von dem erſteren kalt aufgefaßt werden, ſondern ſie ſollen vielmehr das letztere beleben und in eine heilig religiöſe Stimmung verſetzen. Soll aber dieſer Zweck durch den Religionsunterricht erreicht werden, dann iſt beſonders auch darauf zu ſehen, daß die Kinder mit ganzer Seele Antheil an ihm nehmen. Denn obgleich in jeder Stunde ungetheilte Aufmerkſau⸗ keit Statt finden muß; ſo iſt dieſe doch doppelt nothwendig in derjenigen Stunde, die dem Höchſten und Heiligſten des Menſchen gewidmet iſt. Daß dies aber oft der Fall nicht iſt, rührt auſſer manchen andern Urſachen ge⸗ wiß auch daher, daß die Schüler gewöhnlich für dieſen Unterrichts⸗Gegen⸗ ſtand keine Ausarbeitungen zu liefern, ja oft nicht einmal das Vorgetra⸗ gene nach dem Lehrbuch zu wiederholen nöthig haben, weil daſſelbe nicht repe⸗ tirt wird. Dieſes wirkt ohne Zweifel auch als Grund mit, daß ſie dieſe Stunde häufig geringer, als die andern, für welche zu Hauſe gearbeitet werden muß, anſehen und achten. Um dieſem Uebel vorzubeugen, wiederhole man jedesmal genau das in der vorhergehenden Lection Vorgetragene und laſſe die Kinder von Zeit zu Zeit Ausarbeitnungen über einen ſchon abgehandelten Gegenſtand liefern. An paſſendem Stoff zu dergleichen Aufſätzen fehlt es nicht, vorzüglich bey dem hiſtoriſchen Theil der Religion. Nur dürfen dieſe
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