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wo möglich auf die Einbildungskraft heftig einwirkende Erſcheinung, ſei⸗ nen erſten Unterricht in der Religion, der das jugendliche Gemüth ſehr überraſcht und für den Augenblick mächtig aufgeregt haben mag. Allein abgeſehen davon, daß der Jugend alle religiöſe Eindrücke bis in ein gewiſ⸗ ſes Alter durchaus nicht fremd bleiben können; ſo verdient vorzüglich das nicht überſehen zu werden, daß es ſehr ſchwer fallen wird, in den Her⸗ zen, die keine frühe Weihe zur Religion erhielten, jene Innigkeit und Wärme der Empfindung hervorzubringen, deren Urſprung in die dunklen Re⸗ gionen der Kinderwelt gehört. Eindrücke und Erinnerungen aus dieſer ge⸗ heimnißvollen Periode ſind meiſtentheils unauslöſchlich, und wenn auch un⸗ ſere Vorfahren ſich mancher Mißgriffe bey ihrem Religionsunterrichte ſchul⸗ dig machten; ſo hatten doch die erſten frommen Verſuche dem Gemüthe eine Stimmung mitgetheilt, die nicht ohne wohlthätige Folgen blieb, und durch einen beſſeren und zweckmäſſigeren Unterricht berichtigt werden konnte. Sehr wahr und treffend ſagt daher Jean Paul:*)„Wenn Rouſſean Gott und folglich Religion erſt als die ſpäte Erbſchaft eines unmündigen Alters aus⸗ händigt; ſo kann er— bey großen Seelen ausgenommen— ſonſt nicht mehr religiöſe Liebe und Begeiſterung erwarten, als ein Pariſer Vater kindliche, der ſeinem Sohn kaum eher erſcheint, als bis dieſer keinen Va⸗ ter mehr braucht. Wann könnte dann ſchöner das Heiligſte einwurzeln⸗ als in der heiligſten Zeit der Unſchuld, oder wann das, was ewig wirken ſoll, als in der nehmlichen, die nie vergißt!“
Zwey auf einander folgende, dritthalb Jahre umfaſſende Curſus, möchte ich dem früheren Religionsunterrichte widmen. Das Haupterfoderniß bey denſel⸗
*) Levana Th. 1. S. 137.


