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kaum noch das erſte Jahr zuruͤckgelegt hatte. Dieß bewog ſeine zaͤrt⸗ lichgeſinnte Mutter, welche ſich die beſte Erziehung ihrer Kinder, zur heiligen Pflicht gemacht, ſich nach Darmſtadt zu begeben; denn dieſe Stadt gedachte ſie zu ihrem beſtandigen Aufenthalt zu waͤhlen, um dort ihre Kinder in den Wiſſenſchaften und Kuͤnſten unterrichten zu laſſen, zu welchen ſie einſt Faͤhigkeiten zeigen und ihr Genius ſie lei, ten wuͤrde. Den juͤngſten ihrer Soͤhne ſchickte ſie anfangs in die Pri⸗ vatinformationen einiger Kandidaten des Predigtamts. Hier genoß er den erſten Unterricht im Leſen, Schreiben u. ſ- w. Unter dieſen er⸗ innerte er ſich oft mit lebhaftem Dankgefuͤhl des jetzigen erſten Stadt⸗ pfarrers daſelbſt, Herrn Fried. Chrph. Kyriz, eines ehrwuͤrdigen biedern Greiſen, welcher die erſten Elemente der paͤdagogiſchen Wiſ⸗ ſenſchaften, beſonders aber der Latinitaͤt ihm auf eine eben ſo faßliche als gruͤndliche und angenehme Weiſe beybrachte. Dieſem ehrwuͤrdi⸗ gen Mann verdanke ich mehrere Anekdoten aus Rooſe's Jugendge⸗ ſchichte„ welche das rege Seelenleben und eine ſchnelle Geiſtesent⸗ wickelung in dem Knaben beurkunden„ und ſeinen Lehrer ſchon da⸗ mals den ungewoͤhnlichen Mann in ihm ahnden ließen— die aber wegen der engen Grenzen dieſer Schrift nicht weiter beruͤhrt werden koͤnnen.
Jetzt vertraute ihn ſeine Mutter dem dortigen Päͤbagog an, wel⸗ ches in jenen Zeiten ſchon den Ruf einer trefflichen Lehranſtalt genoß. Hier wurde er unter der Anfuͤhrung eines vorzuͤglichen Lehrers, des
ſeel. Wenk, in das Studium der roͤmiſchen und griechiſchen Klaſſiker ſo


