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was er zu Eckermann ſagt ²4):„Man hat mich immer als einen vom Glück beſonders Begünſtigten geprieſen, auch will ich mich nicht beklagen und den Gang meines Lebens nicht ſchelten. Allein im Grunde iſt es nichts als Mühe und Arbeit geweſen, und ich kann wol ſagen, daß ich in meinen 75 Jahren keine vier Wochen eigentliches Behagen gehabt. Es war das ewige Wälzen eines Steins, der immer von neuem gehoben ſein wollte!“ Schon oben habe ich darauf hingewieſen, wie die Fauſt⸗Dich⸗ tung aus einer Oppoſition gegen die Voltaire'ſche Freidenkerei hervorgerufen wurde. Göthe wehrte ſich dagegen in ſeiner Art und Weiſe, indem er die Vorgänge ſeines Innern dichteriſch geſtaltete. Eben deshalb trägt dieſes Drama auch den Stempel vollkommenſter Originalität und Naturwahrheit an ſich und wirkt aufs nachhaltigſte auf jeden ein, der verwandte Anklänge in ſeinem eignen Innern verſpürt. Daß auch unſerer Jugend dieſe Eindrücke zu gute kommen— in einer Zeit wo der Materialismus
und Schopenhauer'ſcher Peſſimismus in allen Ecken und Enden ſpukt— dazu möchte ich in dieſen Zeilen mein Scherflein gerne beigetragen haben; denn
„dem Herrlichſten, was auch der Geiſt empfangen,
„Drängt immer fremd und fremder Stoff ſich an;
„Wenn wir zum Guten dieſer Welt gelangen,
„Dann heißt das Beßre Trug und Wahn.
„Die uns das Leben gaben, herrliche Gefühle, „Erſtarren in dem irdiſchen Gewühle.“
ein herber Sauerteig, für immer in eine ſtarke Seele durch frühzeitigen Ueberdruß geworfen? Die Perſon des Fauſt beſonders, des Mannes, deſſen brennendes unermüdetes Herz weder des Glücks ermangeln noch ſolches genießen kann; der ſich unbedingt hingibt und ſich mit Mistrauen beobachtet; der den Enthuſiasmus der Leidenſchaft und die Muthloſigkeit der Verzweiflung verbindet: iſt dieß nicht eine beredte Offenbarung des geheimſten und erregteſten Theiles der Seele des Dichters? Und nun, das Bild ſeines innern Lebens zu vollenden, hat er die allerliebſte Figur Margaretens hinzugeſellt, ein erhöhtes Andenken eines jungen Mädchens, von der er mit 14 Jahren geliebt zu ſein glaubte, deren Bild ihn immer umſchwebte und jeder ſeiner Heldinnen einige Züge mitgetheilt hat. Dieß himmliſche Hingeben eines naiven, frommen und zärtlichen Herzens contraſtiert bewunderungswürdig mit der ſinnlichen und düſtern Aufſpannung des Liebhabers, den in der Mitte ſeiner Liebesträume die Phantome ſeiner Einbildungskraft und der Ueberdruß ſeiner Gedanken verfolgen, mit dieſen Leiden einer Seele, die zerknirſcht, aber nicht ausgelöſcht wird, die gepeinigt iſt von dem unbezwinglichen Bedürfnis des Glücks und dem bittern Gefühl, wie ſchwer es ſei zu empfangen und zu verleihen“ u. ſ. w.
²4)„Geſpräche“ 1. Theil S. 106.
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