Aufsatz 
Betrachtungen eines Schulmanns über Goethes Faust / Ferdinand Anton Beck
Entstehung
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Betrachtungen eines Schulmanns über Göthes Fauſt.

In unſerer Zeit fehlt es nicht an großartigen Anregungen für den einzelnen und für ganze Völker, um die höhern Ziele der Menſchheit nicht aus dem Auge zu verlieren. Aber dieſe mächtigen Erweckungen halten bei der herſchenden Richtung des Zeitalters nicht auf die Dauer vor, und die Gefahren, welche der philoſophiſche Materialismus der ſittlichen Baſis der gegenwärtigen Generation bereitet, erſcheinen um ſo bedenklicher, als von anderer Seite her, wo dieß freilich an ſich am wenigſten vorausgeſetzt werden ſollte, für dieſes Uebel nicht nur nicht ein wirkſames Heilmittel geboten, ſondern demſelben ſelbſt Vorſchub geleiſtet wird. Denn daß die dogmatiſchen Zeloten und religiöſen Rigoriſten hier nicht zu helfen wiſſen, lehrt die tägliche Erfahrung. Dieſe Epidemie materialiſtiſcher Weltanſchauung hat vorzugsweiſe die gebildetern Claſſen der Geſellſchaft ergriffen. Eben weil dieſe aus der Unmittelbarkeit der Ueberzeugungen, wie ſie wol dem ſchlichten Bürger, dem Mann des Volks und namentlich dem weiblichen Geſchlecht inne wohnen, herausgetreten ſind, ſchließen ſie ſich bereitwillig einem Syſteme an, das dem einſeitig reflectierenden Verſtande ſo zugänglich und dem Lebenswandel meiſt ſo bequem iſt. Daß namentlich auch unſere ſtudie⸗ rende Jugend hierdurch in Mitleidenſchaft gezogen wird, iſt nicht zu verwundern. Bei der Jugend eben ſind dieſe Einflüſſe um ſo verderblicher, als dieſelbe in der Regel bei ihrer Unbekanntſchaft mit der Geſchichte der Philoſophie die Thatſache ignoriert, daß dieſe moderne Weisheit nur einecrambe repetita iſt, und ſie deshalb die Hypotheſe des Materialismus wirklich für das hält, wofür ſie vielfach ausgegeben wird, nemlich für das Reſultat der neuern und neuſten, umgeſtaltend auf allen Gebieten eingreifenden, naturwiſſenſchaftlichen Forſchungen, und bei ihrem wohl berechtigten Streben nach den Höhepunkten der Wiſſenſchaft dieſeFortſchritte des menſchlichen Geiſtes begierig erfaßt und alle Ueberlieferungen über das Sittengeſetz für einen überwundenen Standpunkt betrachtet. Eben deshalb haben aber auch alle diejenigen, welche auf die Jugend einzuwirken berufen ſind und zugleich dieſe Richtung als eine Abirrung betrachten, ſich die Frage vorzulegen, ob nicht auf dem Wege des Unterrichts gegen dieſe Richtung irgend⸗ wie wirkſam anzukämpfen ſei. Aus einer ſolchen Erwägung iſt die vorliegende Abhandlung hervorgegangen.

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