Theo⁵ b) Deus und GE0OX.
Jahrhunderte lang hat deus und 9ες unangetastet und unangefochten für dasselbe Wort gegolten. Erst in neuester Zeit ist ein Angriff auf ihre Identität gemacht worden, zuerst mit wenig Worten von Schleicher in Kuhn's Zeitschr. IV, 399, dann in eingehender Weise von Curtius in seinen Grund. II, 95.
Wer deus und es an und für sich ins Auge faßt, wird es unbegreiflich finden, wie man dazu komme, beide trennen zu wollen, da sie einander an äuderer Gestalt so ähnlich sind und ihre Begriffe sich vollkommen decken. Wie trügerisch aber solche äußere Aehnlichkeiten sein können, will ich an einem einfachen Beispiele zeigen.—
Im spanischen heidt der Sohn hijo, im griechischen ui. Welch' eine überraschende Aehnlichkeit! Wie manchen hat sie schon verleitet, die beiden Wörter für identisch zu halten! Gleichwohl stehen sie nicht in der entferntesten Verwandtschaft mit einander. Denn dem griech. vig liegt die noch im Sauskrit vorhandene" su(gignere) zu Grunde, von welcher auch Sanskr. su-nus(filius), buchstäblich übereinstimmend mit goth. sunus, abstammt. Es hat dasselbe im Anlaute das ursprüngliche in den spir. asper verwandelt, wie die im griechischen so häufig der Fall ist, vgl. de neben ic, enrd neben septem. Das span. hijo dagegen ist organisch aus lat. filius entstanden, indem das anlautende f in h überging und l vor i ausfiel, vgl. lat. folium, span. hoja(Diez Gr. I¹, 184). In Bezug auf den Ursprung des lat. filius möchte ich bei dieser Gelegenheit noch kurz bemerken, daß es sich wohl aus firo entwickelt hat, ähnlich wie con-ci-lium aus con-ci-o, und eigentlich so viel ist als genitus(vgl. yòog von Plονμόαόι, so dad also dem filius und ulòg ganz dieselbe Bedeutung zu Grunde liegt.
Wenden wir uns, nach dieser kurzen Einleitung, dem lat. deus zu. An eine Entlehnung dieses Wortes aus dem griechischen wird heut zu Tage niemand im Ernste denken. Davon kann schon um deswillen nicht die Rede sein, weil ein griech. d im lateinischen nicht in d, sondern in t oder th übergeht. Ohne Zweifel ist deus auf dem Boden der lateinischen Sprache erwachsen und so alt als die italischen Völker selbst. Der Form deus muß aber eine andere vorausgegangen sein, deren unverkennbare Spuren noch bis auf den heutigen Tag sichtbar sind. Diese ist drus. Auf eine solche deuten der nom. und dat. pl. dii, dr; diis, dis(Ritschl de decl. recond. p. 21; Varro Ling. lat. libr. 8,§. 70); das auf Inschriften vorkommende


