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„sit quidvis simplex duntaxat et unum“ von ihm ſelbſt in derſelben Dichtung verletzt erſcheinen,— wogegen er ſich doch ganz ausdrücklch verwart (V. 35— 37).
Zum Schluße glaube ich noch eine proſaiſche¹⁰) Ueberſetzung der Epiſtel an die Piſonen folgen laßen zu müßen, um die vorangehenden Betrachtungen dadurch feſter zu unterſtützen und näher zu erläutern, was bei einer Dichtung von ſo eigenthümlicher Art, die namentlich ſo oft zwiſchen den Zeilen leſen läßt, dringend geboten erſcheint.
mit mehreren Epiſteln von mir geſchehen iſt. Ich geſtehe jedoch, daß mir alle Verſuche, mir ſelbſt damit genug zu thun, mislungen ſind. Eiuzelne Partien zwar, deren logiſcher Zuſammenhang mit dem Vorangehenden und Nachfolgenden dunkel iſt oder dem Misverſtande unterlag, hoffe ich durch meine Erläuterungen in ein helleres Licht geſetzt zu haben; aber den bis ins einzelne ſtreng gegliederten Organismus des ganzen Gedichts eben ſo und mit Evidenz darzulegen, muß ich Scharfſinnigeren und tiefer Blickenden überlaßen. Einſtweilen halte ich an dem Glauben feſt, daß es Schuld der Leſer und nicht des Dichters iſt, wenn zu dem, was ich„poetiſche Aſyndeta“ zu bezeichnen pflege, die fehlenden Konjunktionen und Uebergänge nicht gefunden werden, indem ich nach Sokrates Beiſpiel von dem Werth jener horaziſchen Dispoſitionen, die ich vollſtändig begreife und nachkonſtruieren kann, auf den Werth auch der fraglichen ſchließe, die ich nur theilweiſe begreife.“
Ich kann übrigens nicht umhin hier nochmals ausdrücklich zu verſichern, daß ich weit davon entfernt bin zu glauben, durch meine Hypotheſe die Unterſuchungen über dieſe Dichtung zum Abſchluß gebracht zu haben, am allerwenigſten mich unter die Zahl jener„Scharfſichtigeren“ und„tiefer Blickenden“ zu rechnen, von denen jener treffliche, geiſtvolle und gelehrte Mann Aufklärung hofft. Es könnte zwar den Anſchein gewonnen haben, als hätte ich eine ſpecielle Polemik gegen Döderlein von vorn herein beabſichtigt. Dies lag jedoch urſprünglich nicht in meinem Plan, da ich bloß ein mir ſelbſt genügendes Urtheil mir zu bilden bemüht war. Erſt nach der ſpäter erfolgenden Veröffentlichung der neuen Ausgabe der Epiſteln von Seiten jenes Gelehrten war ich genöthigt, da ich einmal durch ihn den Anſtoß zu meinen Unterſuchungen erhalten hatte, überall auf denſelben zu recurrieren. Und ſo hatte ich in vielen Punkten meine eignen Anſichten berichtigt, in manchen mich zur Oppoſition genöthigt geſehen. Nun wird es wohl auch im Gebiete der Wißenſchaft einem Jüngeren nicht verdacht werden, wenn er einem Erfahreneren, mit reicherem Wißen und erleuchteterem Geiſte Ausgerüſteten gegenüber nnumwunden und offen ausſpricht, was er nach redlichem Forſchen als das ihm richtig Erſcheinende gefunden hat. Mag jener auch im allgemeinen einen viel niedrigeren Standpunkt einnehmen, ſo könnte er doch für den einzelnen Fall richtiger geſehen, oder er könnte auch durch ſeine neue, abweichende Auffaßung der Sache Anlaß zu weiteren Forſchungen gegeben haben.
⁴⁰) Man hat es mehrfach verſucht, die horaziſchen Dichtungen in poetiſcher Form ins Deutſche zu überſetzen. Abgeſehen von dem Werthe, den derartige Verſuche in mancher Hinſicht immerhin haben mögen, ſo wird doch, wenn man nur zum eigentlichen Verſtändniſſe des Dichters gelangen will, nur eine proſaiſche Uebertragung zum Ziele führen. Ich erinnere in dieſer Beziehung an Leſſings und Göthes Ausſprüche:„Gute Verſe in gute Proſa überſetzen, erfordert etwas mehr als Genauigkeit; oder ich möchte wohl ſagen, etwas anderes. Allzu pünktliche Treue macht jede Ueberſetzung ſteif, weil unmöglich alles, was in der einen Sprache natürlich iſt, es auch in der andern ſein kann. Aber eine Ueberſetzung aus Verſen macht ſie zugleich wäßericht und ſchielend. Denn wo iſt der glückliche Verſifikator, den nie das Silbenmaß, nie der Reim hier etwas mehr oder weniger, dort etwas ſtärker oder ſchwächer, früher oder ſpäter ſagen ließe, als er es, frei von dieſem Zwange, würde geſagt haben?“(Leſſing, hamburg. Dramat. Bd. 5. S. 14.)—„Ich ehre den Rhythmus wie den Reim, wodurch Poeſie erſt zur Poeſie wird, aber das eigentlich tief und gründlich Wirkſame, das wahrhaft Ausbildende und Fördernde iſt dasjenige, was vom Dichter übrig bleibt, wenn er in Proſa überſetzt wird. Dann bleibt der reine, vollkom⸗ mene Gehalt, den uns ein blendendes Aeußere oft, wenn er fehlt, vorzuſpiegeln weiß, und wenn er gegenwärtig iſt, ver⸗ deckt.“(Göthe, aus meinem Leben. Bd. XXI, S. 55.)


